Schmalhans - DER SPIEGEL
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Schmalhans

• aus DER SPIEGEL 37/1948
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In Sokolowskis Marshall-Plan für die russische Besatzungszone soll der Befehl Nr. 151 Meister Schmalhans aus der Ostzonen-Volksküche vertreiben. Der oberste sowjetische. Militärverwaltungschef in Deutschland verfügte ab 1. Oktober 1948 für 16 Millionen seiner Untertanen Erhöhungen der Lebensmittelrationen. In Zukunft werden in der Ostzone nur noch zwei Versorgungskategorien unterschieden: 18 Großstädte, einschließlich Dresden und Leipzig, und übrige Ortschaften. Schwerstarbeiter in den Städten sollen künftig 2314 Kalorien gegenüber bisher 2088 erhalten. Bei der Landbevölkerung wurden die Sätze für Schwerstarbeiter auf den amtlichen Vordrucken um 190 Kalorien, für Schwerarbeiter um 157, für Arbeiter um 209 und für Nichtarbeitende um 189 erhöht. 1½ Millionen Arbeiter der russischen Besatzungszone sollen ab Oktober täglich eine warme Mahlzeit (645 Kalorien) zusätzlich erhalten. Sokolowskis deutscher Wirtschaftskommissar Heinrich Rauh verkündete: »Die entsprechenden Lebensmittelvorräte sind vorhanden.«

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Der sowjetische Militäradministrator radierte seinen deutschen Untertanen jetzt das Wort »Hunger« aus dem Lexikon. Das Ministerium für Volksbildung (Abteilung Forschung und Entwicklung) der Landesreigerung Sachsen diente dabei als williger Radiergummi. In einem Brief (Aktenzeichen VII 5B 185/48) an das Dekanat der medizinischen Fakultät Leipzig heißt es: »Wir bitten Sie, Ihren Instituten folgendes mitzuteilen: Themen über Mangelkrankheiten sind ab sofort nicht mehr in Vorträgen oder anderen Publikationen zu behandeln. Die sowjetische Militäradministration sieht in derartigen Abhandlungen eine Gegenpropaganda, die unter allen Umständen zu vermeiden ist.« Der Leipziger Dekan Bittorf reichte die Anweisung abschriftlich an die Herren Kollegen weiter. »Zur gefälligen Beachtung.«

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Die Volkskontrolluhren im Kreis Angermünde wurden mit einer Veröffentlichung im »Amtlichen Informationsblatt des Kreises« zu neuer Wachsamkeit aufgezogen. Für 600 Punkte können Angehörige der Volkskontroll-Kommandos zwei Ferkel gewinnen. Ein solcher Punkt werde jedem gutgeschrieben, der »Naturalien oder Industrieerzeugnisse jeder Art im Werte von einer D-Mark, nach den 1944er Preisen« bei nichtberechtigten Besitzern aufstöbert und zur Beschlagnahme anzeigt. Für Fleisch, Eier, Fett und Oelsaaten sowie für Nägel aller Art wird die doppelte Punktzahl angerechnet. Volkskontrolleure, die nachweisen, wo »ab Hof oder Industriewerk« Kompensationsgeschäfte getätigt werden, bekommen gleich fünfzig Punkte ins Buch geschrieben.

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