Hausmitteilung Schmetterling / Asbest / Kachelmann
Bethge in Papua-Neuguinea
Foto: PHILIP BETHGE / DER SPIEGELVon San Francisco aus, dem Wohnort von SPIEGEL-Redakteur Philip Bethge, beträgt die Entfernung nach Popondetta, Provinzhauptstadt in Papua-Neuguinea, 10 600 Kilometer Luftlinie. Von dort bis aufs Managalas-Plateau sind es dann mit dem Geländewagen zwar nur noch 60 Kilometer, aber diese Etappe führt durch urweltlichen Regenwald. Der Grund für diese Expedition war ein Schmetterling, allerdings ein beachtlicher - Ornithoptera alexandrae, der Königin-Alexandra-Vogelflügler, größter Tagfalter der Welt, Spannweite: bis zu 25 Zentimeter, was der einer Kohlmeise entspricht. Ebendeshalb lässt sich diese Insektenart nur an einigermaßen trockenen Tagen beobachten, denn bei starkem Nebel im Regenwald legt sich die Luftfeuchtigkeit auf die Flügel. Das Plateau, zu dem Bethge sich durchkämpfte, ist einer der letzten Lebensräume des Schmetterlings, der durch den Vormarsch von Plantagen und Holzeinschlag bedroht ist. Bethge verbrachte neblige Tage bei Einheimischen, die die Art zu erhalten suchen, schließlich brach die Sonne durch, und zuerst flatterte ein Männchen durch die Luft, später glitt ein Weibchen vorüber, ein unvergessliches Bild, so Bethge (zum Artikel ).
Asbest galt lange als ideales Baumaterial, belastbar, hitzebeständig, robust - leider aber tödlich, weil Asbestfasern die menschliche Lunge zersetzen. Darüber besteht inzwischen weitgehend Einigkeit, nur die Asbestindustrie sieht es anders. SPIEGEL-Redakteur Hauke Goos und Fotograf Bernhard Riedmann waren auf der Spur dieses Stoffes, der in den Industrieländern zwar verpönt ist, aber in Schwellenländer exportiert wird, nach Indien etwa. Die Behauptung der Industrie, bei der Verarbeitung komme es allein auf die nötigen Sicherheitsvorkehrungen an, lässt sich nicht leicht widerlegen - die Schädigung tritt möglicherweise erst nach Jahrzehnten auf. Aber gewiss ist, dass diese Schutzmaßnahmen in der Dritten Welt selten beachtet werden. »Die Männer in Mumbai schufteten ohne Mundschutz, ohne Maske«, sagt Goos (zum Artikel ).
Man hatte sich kaum gesetzt, da zückte Jörg Kachelmann ein Präsent: eine tote Schabe. Das Insekt, unten abgebildet, sei ein Mitbringsel aus der Justizvollzugsanstalt Mannheim, sagte Kachelmann, der dort 132 Tage lang in U-Haft gesessen hatte, es war die schlimmste Zeit seines Lebens. Damals musste der Fernsehmann sich gegen den Vorwurf der Vergewaltigung verteidigen, nach 44 Verhandlungstagen wurde er freigesprochen. Kachelmann fühlte sich dennoch gebrochen und vorverurteilt, etwa von Alice Schwarzer, die für »Bild« schrieb, oder von der »Bunten« - nun haben Kachelmann und seine Frau Miriam sich in einem Buch mit den Gegnern von damals auseinandergesetzt. Der SPIEGEL indes habe kritisch, aber sachlich berichtet, sagte Kachelmann, und dafür wollte er sich nun bedanken, mit jener Schabe aus seiner Zelle. SPIEGEL-Redakteur Thomas Tuma, der zum Gespräch gebeten hatte, ist zwar kein Freund von Kerbtieren, nahm das Geschenk aber an (zum Artikel ).