Schmidt - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung Schmidt

• aus DER SPIEGEL 44/1982
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Unterschied zu Franz Josef Strauß fehle es Helmut Schmidt, dem Schmidtschen Denken, an einer »historischen Dimension« - Golo Mann sagte es in einem SPIEGEL-Gespräch vor der letzten Bundestagswahl (SPIEGEL 36/1980). Dennoch, erklärte er im selben Gespräch, zöge er Schmidt unter Umständen vor: »Wenn Schmidt Kandidat der Unionsparteien wäre, würde ich dringend empfehlen, ihn zu wählen.«

Die Kandidatenfrage, so oder so, hat sich erledigt. Schmidts Rücktritt von der politischen Vorderbühne hat geschichtliche Dimension genug, den Historiker Mann ("Deutsche Geschichte des 19 und 20 Jahrhunderts«, »Wallenstein") zu einer Bewertung des zweiten SPD-Kanzlers der Bundesrepublik und seines Abgangs zu veranlassen. In diesem SPIEGEL zieht Golo Mann Bilanz: »Nicht Geschichte machen wollte er, sondern weitermachen, und das war schwierig genug« (Seite 21).

Die spezielle Geschichte der Beziehungen zwischen Helmut Schmidt und dem SPIEGEL ist so lang wie durchwachsen. 31mal war Schmidt SPIEGEL-Titel-Figur, zum erstenmal 1967, während der Großen Koalition, als SPD-Fraktionsführer im Bundestag und »keckster Kritiker des schwarz-roten Kabinettskollegiums«. Die Chronik verzeichnet Denkwürdigkeiten wie das Eintreten des Hamburger Innensenators Schmidt für den durch Polizeibesetzung gefährdeten SPIEGEL - in der SPIEGEL-Affäre 1962, die auch Schmidt ein Ermittlungsverfahren (Verdacht des fahrlässigen Landesverrats) eintrug, 1966 eingestellt, als SPD und CDU koalierten. Registriert ist aber auch mancher Schmidt-Schnauzer über das deutsche Nachrichten-Magazin.

Das Titel-Blatt zum Schmidt-Abgang hat der SPIEGEL gleich zweimal vorweggenommen, in Nummer 38/1982 »Der Lotse geht von Bord« und in 41/1982 mit Klaus Böllings Tagebuch über Agonie und Bruch der sozialliberalen Koalition. Ob es die letzten Schmidt-Titel des SPIEGEL gewesen sind, steht dahin. Der Abgeordnete Schmidt-Bergedorf will »mehrere Bücher« schreiben. Böllings SPIEGEL-Buch »Die letzten 30 Tage des Kanzlers Helmut Schmidt« ist ein Bestseller geworden. Auflage nach drei Wochen: 90 000.

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