SCHMUTZIGER LORBEER
Über drei Seiten verbreiten Sie sich über die Frage der Urheberschaft Ehrenburgs an einem Aufruf zur Vergewaltigung der deutschen Frauen. Am Schluß gehen Sie kurz darauf ein, daß Ehrenburg tatsächlich eine Fülle von Aufrufen zur Ermordung der Deutschen erlassen hat. Einen seiner exzentrischsten Aufrufe, nämlich den folgenden, lassen Sie dabei unerwähnt: »Diesen Stamm (die Deutschen) werden wir vernichten. Aber den letzten Fritzen kann man dann in den Zoopark setzen mit der Überschrift: 'Fritz vulgaris', der nach den Bemühungen des Dr. Gepke aus dem Menschen entstand.«
Ist es nicht reichlich abwegig, wenn Ehrenburg Ihnen gegenüber sich über die Unterstellung, er habe diesen Vergewaltigungsaufruf erlassen, entsetzt. Ich bin sicher, daß auch- dieser Aufruf
von keinem anderen als Ehrenburg stammt. Aber kommt es denn bei einem Anstifter zum Völkermord darauf an, ob er überdies dazu aufrief, Frauen vor ihrer Ermordung noch zu vergewaltigen. Niemand kann doch etwa die deutschen Konzentrationslager rechtfertigen, weil die jüdischen Frauen vor ihrer Ermordung nicht auch noch vergewaltigt wurden.
Bei den unzähligen Mordaufrufen, die wir in der DSZNZ nachgewiesen haben, kann die augenblickliche Nichtnachweisbarkeit eines Vergewaltigungsaufrufes den Massenmörder nicht entlasten. Dies kommt mir so vor, als wenn eine deutsche Zeitung nach der Verurteilung Eichmanns geschrieben hätte, zwar habe man ihn der Teilnahme an Hunderttausenden Judenmorden überführt, aber daß er persönlich, wie die Anklage ihm ursprünglich vorwarf, in seinem Hause oder Garten einen Juden zu Tode geprügelt habe, das könne man ja wahrhaftig nicht sagen.
Sie mokieren sich offenbar über das Moralempfinden der DSZNZ. Ich glaube allmählich selbst, daß sich unser Moralempfinden von dem vieler anderer Blätter entfernt, denn wir können aus dem eventuellen Fehlen des Vergewaltigungsaufrufes dieses Kriminellen wahrhaftig keine Rechtfertigung herauslesen, wobei es uns reichlich gleichgültig ist, ob Ehrenburg jüdischen oder »arischen« Geblütes ist.
München DR. GERHARD FREY
Seit ich von diesem kaum glaublichen Appell im Jahre 1949 in einer Artikelserie »Ostdeutsches Schicksal« von Jürgen Thorwald, erschienen in der Wochenschrift »Christ und Welt«, gelesen habe, habe ich mich um eine verbürgte Quelle für den genauen Wortlaut bemüht. Ich bin dabei aber auch nicht weitergekommen als bis Walter Görlitz. Als ich durch den Artikel im SPIEGEL angeregt wurde, meine Zeitungsausschnitte über diese Sache durchzusehen, fiel mir einer mit folgendem Wortlaut in die Hände: »Ein russischer Jude, der früher als Kulturreferent in Moskau tätig war und jetzt nach Israel ausgewandert ist, berichtet, daß der sowjetische Propagandaschriftsteller Ilja Ehrenburg vor einiger Zeit in einem Vortrag von General Schukow vor Kadetten der sowjetischen Militärakademie ,Frunse' scharf kritisiert worden sei. Schukow habe in diesem Vortrage erklärt, daß Ehrenburgs Greuelpropaganda für die verschiedenen Übergriffe von Angehörigen der Roten Armee auf deutsche Frauen verantwortlich sei. Das von Ehrenburg verfaßte Flugblatt, worin die Soldaten aufgefordert werden, Rache zu nehmen an den Deutschen und nicht einmal das Kind im Mutterleibe zu schonen, sei bedauerlich. Solche und ähnliche Äußerungen widersprächen dem 'Geist der proletarischen Solidarität' und stellten eine ,Sabotage der sozialistischen Errungenschaften' dar, deren Ansehen damit schwer geschädigt werde.«
Kehl (Rhein) H. HERBRECHTSMEIER
Der Schändungsaufruf hängt dem Herrn Ehrenburg keineswegs erst seit dem Görlitz-Zitat an. In Ernst Jüngers »Jahre der Okkupation« steht unter dem Datum des 20. August 1945 der Satz: »Diese Gedanken kamen mir bei der Lektüre des Aufrufes eines Mordbrenners namens Ehrenburg an die Rote Armee, der ausführt, daß auch das Kind im Mutterleib nicht zu verschonen sei, und der den Rotarmisten die deutsche Frau als Beute verheißt.«
Hamburg ERNST AUGUST SELM
1943/44 gehörte ich dem OKW/Chef WKW in Paris an. Im September 1944 mußten die versammelten Offiziere und Mannschaften den Vortrag eines NSPropagandaoffiziers, dem Gegenstück der russischen Politkommissare, über sich ergehen lassen, der darin gipfelte, daß die Zuhörer alle zehn Minuten im Chor den Spruch wiederholen mußten, der nach Aussage des Propagandaoffiziers den Rotarmisten eingeimpft worden war: »Nehmt Euch die blonden Frauen der Germanen!«
Wuppertal JOHANNES RAKOW
Zur Zeit der russischen Gegenoffensive hörte Ich regelmäßig im Sender Moskau die Abendmeldungen in deutscher Sprache ab. Die von Ihnen im Sperrdruck veröffentlichten Aufrufe, die heute von Ehrenburg abgeleugnet werden, wurden zu jener Zeit regelmäßig vom Moskauer Sender verbreitet, und zwar genau im Wortlaut Ihrer Veröffentlichung. Der Name Ehrenburg wurde zumindest jedesmal als Verfasser genannt. Wenn ich mich nicht täusche, vernahm man sogar die Tonbandaufnahme Ehrenburgs, erkennbar an seinem Akzent.
Amerang (Bay.) FRHR. VON CRAILSHEIM SEN.
Dieser Herr hat während des Krieges Rundfunkreden gehalten, die ich mitgehört habe. Ich bestätige, daß darunter die Aufforderung zur Schändung der deutschen Frauen war, und zwar wortwörtlich in der Fassung Ihres Artikels.
Wentorf bei Hamburg PAUL F. MEYER
Als Dolmetscher in der 1. Kompanie des »Skorpion-Ost«, Propaganda-Einsatz, hatte ich in meinem Standort, damals Bad Altheide, täglich ein Flugblatt zu verfassen. Es war nur natürlich, daß wir dabei auch das Propagandamaterial des Gegners kennenlernten beziehungsweise kennenzulernen bestrebt waren. Es ist mir absolut erinnerlich, daß mir damals mein Kompaniechef, Untersturmfahrer Hans Kolbe, wiederholt derartige russische Blätter vorgelegt hat, die von
mir übersetzt wurden. Sie waren primitiv in der Herstellungsart, aber recht wirkungsvoll im Inhalt. Insbesondere haftet mir noch heute ein Blatt im Gedächtnis, das speziell für den Einsatz gegen Berlin bestimmt war und das ich auch ebenso wirkungsvoll wiedergegeben habe. Der Urheber dieser Blätter soll eben der Chefpropagandist Ilja Ehrenburg gewesen sein - wer vermag das zu beweisen, wenn es die Gegenseite abstreitet?
Hannover WALDEMAR LEWINSON
Im Herbst 1944 wurde unserer Einheit, der 2./N. A. 30, während eines Appells ein Aufruf Ehrenburgs an die Soldaten der Roten Armee mit folgender Passage verlesen: »...nehmt die blonden, deutschen Frauen, Eure Beute, und Ihr brecht den germanischen Hochmut.« Womit jedoch nicht unbedingt bewiesen ist, daß Ehrenburg der Verfasser ist. Ehrenburgs Mantelhaltung, mindestens seit 1929, aber bestätigt durchaus auch seine Fähigkeit zum Verfassen solcher viehischen Ergüsse.
Göttingen RUDOLF FRIEDL
Es gibt relativ wenig Menschen, die für sich in Anspruch nehmen dürfen, wirkliche Schriftsteller zu sein. Es gibt aber auch relativ wenig Schriftsteller, die für sich in Anspruch nehmen dürfen, wirkliche Menschen zu sein. Zu den letzteren gehört Ilja Ehrenburg.
Zürich INGRID LEINWEBER
Ehrenburg hin, Ehrenburg her, nichts ist so wahr wie sein Ausspruch, daß sich das deutsche Gretchen mit dem ersten besten paart; überhaupt dann, wenn es sich im Urlaub befindet. Linz (Österr.) MAX HARTLIEB
Frey*
* Herausgeber und Chefredakteur der »Deutschen Soldaten Zeitung und National-Zeitung«.