PROGRAMME »Schrill und laut«
SPIEGEL: Ausgerechnet zu Heiligabend laufen im Fernsehen Filme wie »Express in die Hölle« oder »Kap der Angst«. Ist das womöglich ein notwendiger Ausgleich zum Fest der Liebe?
Lehmann: Weihnachten ist ein positives Kontrastprogramm für unsere Gesellschaft. Es ist die Botschaft vom Frieden auf Erden und der Ankunft Gottes in dieser Welt. Da ist es schon destruktiv, wenn selbst an diesen Tagen die Gewalt auf dem Bildschirm bei manchen Sendern dominiert. Ich rate, erst gar nicht einzuschalten.
SPIEGEL: Früher standen Sendungen wie »Der kleine Lord« im Vordergrund. Was sagt das aktuelle Programm, in dem etwa mit »Nightlife in Tokyo« ein »bizarres Meisterwerk aus Japans Sexindustrie« läuft, über die Gesellschaft aus?
Lehmann: Die Sender rechnen sich entsprechende Zuschauerzahlen aus; insofern wird hier ein Wandel deutlich. Es mag Menschen geben, die sich bewusst von Weihnachten lossagen. Vielleicht hängt dies auch mit der starken Kommerzialisierung zusammen. Aber das ist, Gott sei Dank, eine Minderheit. Im Übrigen ist auch im Fernsehen nicht alles schlecht. In vielen guten Beiträgen wird die Weihnachtsbotschaft aufgegriffen.
SPIEGEL: Müssen auch die Christmetten auf mehr Action setzen?
Lehmann: Wir haben, wenn man die Zahl der Gottesdienstbesucher an Weihnachten sieht, keinen Anpassungsdruck. Im Gegenteil. Die Menschen, die in die Kirche kommen, wollen Ruhe und Besinnung. Ihnen geht es um den Blick auf die Krippe, auf das hilflose Jesuskind und seine Botschaft: die Liebe unter den Menschen. Und nicht um schrille und laute Sendungen, die Gewalt sogar verherrlichen.
SPIEGEL: Was werden Sie sich in diesem Jahr anschauen?
Lehmann: Weihnachten bin ich froh um jede ruhige Stunde. Gespräche sind mir dann wichtiger als eine Fernsehsendung. Ich habe aber auch viel Verständnis für Menschen, die allein sind und sich eine gute Sendung ansehen.