SCHRÖDER
Das amerikanische Nachrichten-Magazin »Newsweek« stellt sich die Frage, ob »alle 17 Millionen Deutschen, die zur Nazipartei gehörten, ... aus öffentlichen Ämtern entfernt werden sollten«, und verzeichnet, daß »einer derjenigen, die diese Frage am meisten angeht«, Innenminister Gerhard Schröder sei. »Newsweek«-Reporter Reginald Peck veröffentlicht folgendes Interview mit Schröder:
FRAGE: Waren Sie Nazi?
SCHRÖDER: Natürlich nicht.
FRAGE: Aber waren Sie nicht eingeschriebenes Parteimitglied von 1933 bis 1943?
SCHRÖDER: Es ist richtig, daß ich Mitglied war..., aber ... nach den Zeitumständen bedeutete die Mitgliedschaft nicht notwendig, daß jemand in seinem Inneren Nazi war.
FRAGE: Warum sind Sie dann eingetreten?
SCHRÖDER: Ich war junger Rechtsanwalt, und ich wußte, daß ich nichts werden konnte, . . . ohne in der Partei zu sein ... Denken Sie an alle die anderen heute in der Ostzone, die aus ähnlichen Gründen gezwungen sind, sich den Anschein zu geben, Kommunisten zu sein. Sollen wir sie in Zukunft aus der Gesellschaft ausschließen?
FRAGE: Es wird gesagt, daß Sie SA-Mann gewesen seien.
SCHRÖDER: Das ist unrichtig. Ich war nur SA-Anwärter.
FRAGE: Dann haben Sie also versucht, Mitglied zu werden. Warum?
SCHRÖDER: Weil mir zu verstehen gegeben worden war, daß ich in der Partei keinen großen Eindruck gemacht hätte und daß ich besser etwas täte ... Ich wurde nach sieben Monaten gestrichen - wiederum, weil ich kein Interesse gezeigt hatte.
FRAGE: Waren Sie sich im klaren über die Massenmorde, die unter den Nazis geschahen?
SCHRÖDER: Diese Frage setzt mich in Erstaunen. Ich habe persönlich unter dem Antisemitismus zu leiden gehabt (Frau Schröder ist jüdisch*). Ich wußte, daß Juden in Lagern waren, aber von den Greueln wußte ich überhaupt nichts. Nichts.
FRAGE: Warum sind Sie aus der Partei ausgetreten?
SCHRÖDER: Ich wurde von den Nazis als unbrauchbares Material angesehen, deshalb trat ich aus.**
FRAGE: Warum haben Sie Ihre Vergangenheit niemals öffentlich bekanntgegeben?
SCHRÖDER: Weil ich dagegen bin, dieses ganze bejammernswerte Entnazifizierungsgeschäft wieder aufzurollen ... Die Mehrzahl (ehemaliger nomineller Nazis) lebt heute ein anständiges Leben.
* Nach den Nürnberger Definitionen war Frau Schröder Mischling III. Grades«, eine sogenannte »Achtel-Jüdin«. ** Gerhard Schröders Mitgliedschaft ruhte automatisch, da er während des Krieges Soldat war.