CHINA Schröder schwebt für den Aufschwung
Die guten Beziehungen zwischen Berlin und Peking sollen der deutschen Wirtschaft im neuen Jahr ein kräftiges Umsatzplus einbringen. Die hohen Erwartungen verbinden sich mit dem Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder in China. Der will in Shanghai am Silvestertag mit Ministerpräsident Zhu Rongji die erste kommerziell genutzte Strecke des umstrittenen Transrapid einweihen - und so die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft demonstrieren. Die Gesamtkosten für die 30 Kilometer lange Strecke zwischen dem Flughafen Pudong und der fünf Kilometer vom Finanzzentrum entfernten U-BahnStation Longyang betragen 1,2 Milliarden Euro, rund 100 Millionen Euro flossen aus der Berliner Staatskasse. Doch ob Schröder tatsächlich den Weg für lukrative Folgeaufträge bereiten kann, ist ungewiss: In Peking werden derzeit Richtungskämpfe zwischen Befürwortern der Magnetschwebetechnik um den scheidenden Premier Zhu und Anhängern von Hochgeschwindigkeitszügen im Eisenbahnministerium ausgetragen. Wie sich die Chinesen entscheiden, hängt auch von der Bereitschaft der Deutschen ab, ihr Know-how für die Transrapid-Technologie zu teilen. ThyssenKrupp ist offenbar Peking bereits entgegengekommen. Bei einer Entscheidung für die Schwebebahn hat die Regierung den Ehrgeiz, eigene Züge zu entwickeln. Während die Deutschen noch auf den Zuschlag für die Strecken Shanghai-Hangzhou und Peking-Tianjin hoffen, scheinen bei der Prestigetrasse zwischen den Metropolen Shanghai und Peking die Würfel bereits gefallen - gegen den Transrapid. Auch eine Verbindung Hongkong-Kanton gilt als unwahrscheinlich.
Vor der Transrapid-Show will Schröder in Peking mit Premier Zhu, Staatschef Jiang Zemin und dem neuen KP-Generalsekretär Hu Jintao zusammentreffen. Während die Deutschen das gute Verhältnis zu Peking vor allem in der Hoffnung auf neue Wirtschaftsaufträge pflegen, hegen die Chinesen politische Absichten. Sie sehen in Berlin eine wichtige europäische Macht, die in Zukunft mehr Einfluss auf die weltweiten Ambitionen der Amerikaner nehmen soll. Besorgt verfolgen die Gastgeber auch eine andere Entwicklung. Immer öfter hatten nordkoreanische Flüchtlinge versucht, auf Botschaftsgelände in Peking zu gelangen, um über diesen Umweg nach Südkorea auszureisen. Erst über die Weihnachtsfeiertage hatten sich wieder vier Nordkoreaner auf deutsches Territorium retten können, um im politischen Windschatten Schröders nach Seoul auszufliegen.