SCHRUMPFGERMANE
Ihre Artikelserie »Mein Gott - was soll aus Deutschland werden?« zeichnet sich durch eine für Ihr Blatt bemerkenswerte Objektivität aus.
Höchstadt (Donau) DR. HANS DIEMER
Es ist großartig, daß man in der Artikel-Serie »Mein Gott - was soll aus Deutschland werden?« einmal genauer über die vergangenen Spielchen des Herrn Adenauer lesen kann. Ich bin viel zu jung, um diese Dinge etwa aus eigener Anschauung zu kennen, und von der älteren Generation bekommt man leider auch meistens keine genaue Auskunft.
Hannover WOLF HENNIGS
Nachdem ich nun auch die Adenauer -Serie in der vierten Fortsetzung gelesen habe, geht mir immer mehr die Größe dieses Kanzlers auf. Tatsächlich besteht sein Stoßseufzer »Mein Gott - was soll aus Deutschland werden?« zu Recht. All die sogenannten Verdienste Adenauers um die Sicherheit der satten Bundesbürger werden nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt wieder in Frage gestellt sein durch sein eigenes Verschulden, zuwenig für den Aufbau der Demokratie in unserem Lande getan zu haben. Dadurch hat sich Adenauer unentbehrlich gemacht und darum brauchen wir ihn!
Hamburg DR. NORBERT LINKE
Ihre Serie ist im Grunde eine Ehrenrettung für Adenauer. Und das hat auch seine Berechtigung, denn die Schuld an den bestehenden politischen Verhältnissen ist in den Ereignissen vor 1945 zu suchen und nicht bei Adenauer.
Mölln (Lauenburg) KLAUS WICHMANN
Nun wissen wir es ganz genau: Selbst wenn die Sowjets gewollt hätten, wäre die Einheit Deutschlands kaum erhalten geblieben, nur weil Adenauer und einige Herren mit »Preußen-Berlin« als Hauptstadt nicht einverstanden gewesen wären.
Ubbdissen (Bielefeld) RUDI EY
»Mein Gott - was soll aus Deutschland werden?« Wie sich gerade zeigt,
ist die Frage des von Ehrgeiz und Selbstgefälligkeit verblendeten alten Mannes berechtigt gewesen. Was soll aus Deutschland werden, wenn er nicht mehr ist? Wird dann als Regierungsmaxime an die Stelle seiner Gewissenlosigkeit die Charakterlosigkeit einer Gruppe treten, die sich noch von einem unterlegenen Greis demütigen ließ?
Hemhofen (Forchheim) RUDOLF KÖPPLER
Adenauers richtige Erkenntnis der politischen Realitäten nach dem verlorenen Krieg 1918/19, die in jenen Worten zum Ausdruck kommt, nach denen für Frankreich die »absolute Notwendigkeit« besteht, »zum Schutz seiner nationalen Existenz Garantien zu verlangen, die es nach menschlichem Ermessen Deutschland unmöglich machen, in absehbarer Zeit Revanche zu üben«, läßt etwas von jener »staatsmännischen Klugheit« erkennen, die man ihm heute zwar anhängt, von der jedoch nicht immer allzuviel zu bemerken gewesen ist.
Um so verwunderter muß man sich dann allerdings fragen, was Adenauer wohl veranlaßt haben mag, seine Einsicht in des Siegers »Anrecht auf Garantien« nach dem Zusammenbruch 1945 zu ignorieren. Hat die Sowjet-Union gegenwärtig nicht das gleiche Recht, auf den Schutz seiner »nationalen Existenz« bedacht zu sein, wie weiland Frank reich?
Köln GUNTER MAELS
Es wird Sie vielleicht im Zusammenhang mit Ihrer Adenauer-Serie interessieren, daß der kürzlich verstorbene frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Dr. Wilhelm Boden, am 3. Dezember 1945 folgenden Brief an einen Obersten der französischen Militärregierung geschrieben hat: »In konfessioneller Beziehung würde der katholische Charakter des Rheinlandes durch den Zug der meist protestantischen Ostdeutschen stark verwässert werden, was angesichts unseres Verhältnisses zu dem überwiegend katholischen Frankreich höchst unerwünscht wäre, weil die Übereinstimmung beider Teile in der Konfession für die Zusammenarbeit in kultureller Beziehung ungemein wichtig ist. Die politischen Gefahren einer derartigen Durchsetzung liegen in der andersgearteten Mentalität der Ostbevölkerung begründet. Diese war von jeher militaristisch und nationalsozialistisch ... Ich wäre Ihnen, Herr Oberst, sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie diese doch gewiß nicht unwichtigen konfessionellen und politischen Momente an der maßgebenden Stelle der französischen Militärregierung zum Vortrag bringen wollten.«
Im Dezember 1946 machten die Franzosen Boden zum ersten provisorischen Ministerpräsidenten von Rheinland -Pfalz. Anschließend sperrten sie sich jahrelang - bis zur Gründung der Bundesrepublik - systematisch gegen jeglichen Zustrom von Flüchtlingen nach Rheinland-Pfalz. Und noch am 1. Juli 1960 lag der Anteil der Flüchtlinge an der Gesamtbevölkerung in
Rheinland-Pfalz mit 9,1 Prozent gut um die Hälfte unter dem Bundesdurchschnitt von 18,4 Prozent.
Frankfurt HANS HERMANN
Mir kommt Adenauer vor wie ein durch die Umstände der Zeit ins Überdimensionale erhobener mittelmäßiger Familienvater, der alttestamentarisch seine Familie führt, ohne indes ein Moses zu sein.
Wiesbaden JOHANNA WOITSCHACH