Schukows Angriffsplan
An den Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare, 15. Mai 1941. Überlegungen zum Plan eines strategischen Aufmarschs der bewaffneten Streitkräfte der Sowjetunion.
I. Aus der Tatsache, daß Deutschland gegenwärtig seine Armee einschließlich der Rückwärtigen Dienste im vollmobilisierten Zustand hält, ergibt sich, daß es Deutschland möglich ist, uns im Aufmarsch zuvorzukommen und einen plötzlichen Schlag zu führen. Um das abzuwenden, halte ich es für notwendig, auf keinen Fall dem deutschen Kommando die Initiative zu überlassen, unsererseits dem Gegner beim Aufmarsch zuvorzukommen und die deutsche Armee in dem Moment anzugreifen, in dem sie sich im Stadium des Aufmarsches befindet und noch nicht fähig ist, ihre Front und die Kombination der Waffengattungen zu organisieren.
II. Als erstes strategisches Ziel der Handlungen der Roten Armee ist der Zusammenbruch der Hauptkräfte der deutschen Armee anzusehen, die sich südlich der Linie Brest/Demblin im Aufmarsch befinden, dazu bis zum 30. Tag das Erreichen der Linie nördlich Ostrolenko, Fluß Narew, Lowitsch, Lodz, Kreuzburg, Oppeln, Olmütz.
Das folgende strategische Ziel: Aus der Gegend von Kattowitz in Nord- oder Nordwestrichtung zum Angriff antreten, mächtige Kräfte des Feindes im Zentrum und am Nordflügel der deutschen Front vernichten und das Territorium des ehemaligen Polen sowie Ostpreußen in Besitz nehmen.
Nächste Aufgabe ist es, die deutsche Armee östlich des Flusses Weichsel zu schlagen, vom Narew aus in Richtung Krakau vorzugehen und die Region Kattowitz in Besitz zu nehmen, wobei
a) der Hauptschlag durch die Kräfte der Südwestfront zu führen ist, in Richtung Krakau, Kattowitz; Deutschland würde damit von seinen südlichen Verbündeten abgeschnitten;
b) mit dem linken Flügel der Westfront ein Hilfsschlag in Richtung Warschau/Demblin mit dem Ziel zu führen ist, die Warschau-Gruppierung (des Gegners) zu binden und Warschau zu erobern, dazu auch der Südwestfront beim Vernichten der Lubliner Gruppierung des Gegners zu helfen; _(Der Plan wurde im Organ der ) _(Polithauptverwaltung der Sowjetarmee, ) _(Kommunist Wooruschennych Sil (5/1990), ) _(veröffentlicht. )
c) gegen Finnland, Ostpreußen, Ungarn und Rumänien eine aktive Verteidigung mit der Bereitschaft, je nach Lage Schläge gegen Rumänien zu führen, zu gewährleisten ist.
Die Rote Armee beginnt ihre Angriffshandlungen von der Front Tschischew/Ludowleno aus mit 152 Divisionen gegen 100 deutsche Divisionen. An den anderen Abschnitten der Staatsgrenze ist eine aktive Verteidigung vorgesehen. Die anliegende Karte erläutert die Kräftegruppierung detailliert.
Der Plan wurde im Organ der Polithauptverwaltung der Sowjetarmee,Kommunist Wooruschennych Sil (5/1990), veröffentlicht.