SCHULD-KOMPLEX
Das Buch des amerikanischen Historikers David L. Hoggan, der Hitler von der Schuld am Ausbruch des zweiten Weltkrieges entlastet und dem ehemaligen polnischen Außenminister Joseph Beck den »schwarzen Peter« zuschieben will, verrät - bei allem Vorbehalt gegen Hoggans Folgerungen - immerhin eine Anzahl bisher unbekannter historischer Details. Das Fatale allein liegt darin, daß die Deutschen für solche Dokumentationen noch nicht reif sind - die zahlreichen ideologischen Ressentiments stehen einer sachlichen Kritik und Aufnahme vorerst entgegen.
München ROLAND WEIGEL
Nach der Mohrenwäsche, die der SPIEGEL an den Nazireichstagsbrandstiftern vornahm, erweist er nun Herrn Hitler persönlich die Ehre, als Unschuldslamm zu figurieren. Noch ein »Schnipser«, und die Vergangenheit ist bewältigt.
Wiesbaden ALFRED HOF
Schon der preisliche Unterschied von Hofers »Die Entfesselung des zweiten Weltkrieges« (3,60 DM) zu Hoggans »Der erzwungene Krieg« (48 DM) läßt eine subventionierte und bewußte Verfälschung der Weltkriegs-Geschichts-Forschung seitens der derzeitigen deutschen Regierung erkennen.
Kassel K. H. SCHÄFER
Wenn Sie auch eine gewisse Schadenfreude über das Erscheinen dieses Buches und die Reaktion deutscher Historiker darauf nicht verhehlen können, so weisen Sie doch - Gott sei Dank - Hoggans Irrtümer deutlich nach.
Lünen (Westf.) WALTER KÖNIG
An die Alleinschuld Deutschlands am Ersten und Zweiten Weltkrieg glaubten und glauben nur Erzberger, Adenauer und Brentano.
Hannover DR. H. SCHOLZ
Es wäre jetzt an der Zeit, daß sich die deutsche Bundesregierung den Inhalt dieses Buches zu eigen macht.
Frankfurt M. OTTO
Nein, nein, lieber Herr Hoggan, wir sind an allem schuld! Wir bekennen uns schon jetzt schuldig für den nächsten und alle weiteren Weltkriege.
Leverkusen ERICH RADMANN
Glaubt dieser Hoggan, Hitler habe das ganze Land militarisiert, um anschließend mit der Wehrmacht Heilsarmee-Choräle zu singen?
Bern R. MÜLLER
Unmittelbar nach der Reichstagssitzung vom 1. September 1939 besuchte ich meinen Bruder Albert Speer, jetzt Insasse des Spandauer Gefängnisses, damals als »Reichsarchitekt« dem engsten Kreis um Hitler angehörend. Mein Bruder, der als damals völlig unpolitischer Künstler sicherlich die Stimmung um den »Führer« gut widerspiegelte, sagte mir, voraussichtlich werde noch nicht einmal der polnische Botschafter
abreisen, sondern in Kürze Angebote einer neuen Regierung in Polen übermitteln.
Nach dem Krieg geriet ich infolge einer freiwilligen Meldung bei den Amerikanern (mit der Bitte um Überprüfung meiner Verhältnisse) in die Mühle der politischen Internierungslager. Im Lager Darmstadt genoß ich als älterer Bruder des in Nürnberg verurteilten Rüstungsministers Speer post festum eine gewisse Prominenz und nahm an Diskussionen von Mitgliedern des Auswärtigen Amtes über die Kriegsschuldfrage teil.
Es wurde dort die interessante Meinung vertreten, daß Hitler geglaubt habe, das politische Verantwortungsgefühl Englands würde es niemals zum Ausbruch eines Weltkriegs kommen lassen, und auf der Basis dieses Verantwortungsgefühls könne er nach Belieben va banque spielen. Es bestand damals in unserem Kreis kein Zweifel, daß diese Spekulation noch um vieles gemeiner war als ein - irgendwie heroischer - Kriegswille es gewesen wäre,
Heidelberg HERMANN SPEER
Der SPIEGEL hat eine sehr gründliche Arbeit sehr oberflächlich verrissen. Das Buch enthält vorwiegend sachlich gut abgewogene Urteile, und wo die fehlen oder möglicherweise in der Tat aus politischer Voreingenommenheit Fehlurteile unterlaufen, ist das vorgelegte Material so reichhaltig, daß man sich eigene Urteile bilden kann.
Wuppertal PROF. DR. H. VON GRÜNBERG
Wie lange es wohl noch dauern wird, bis die Nazi-Konzentrationslager als Erholungsheime und Eichmann als Sanitäts-Unteroffizier geschildert werden?
Mannheim JOSEPH HOFMANN
Zur Abrundung fehlt nur mehr Vater Kennedys stirnrunzelnde Erinnerung: »Weder die Franzosen noch die Briten hätten aus der deutsch-polnischen Frage einen Kriegsgrund gemacht, wenn Washington nicht dauernd gebohrt hätte.«
Wien DR. GEORG TSCHIEDEL
Statt Anwalt Deutschlands zu sein, sind Sie sein Verleumder.
Solingen HEINZ AUELMANN
Mit der bei Ihrem Team periodisch wiederkehrenden weltpolitischen Instinktlosigkeit unternehmen Sie den Versuch, Professor Hoggan abzuwerten. Anstatt im Interesse der deutschen Jugend jeden aus dem ehemals feindlichen Ausland zugeworfenen Ball aufzunehmen, glauben Sie verhindern zu können, was trotzdem sein wird. Das walte Hugo!
Bonn HERBERT HOYER
Hermann Speer