ITALIEN Schulden-Champions
Italiens Fußballclubs zittern vor EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti. Der will in dieser Woche ein Untersuchungsverfahren gegen eine Verordnung der Regierung Berlusconi eröffnen, die in Italien salopp »Fußball-Rettungsdekret« genannt wird. Sie erlaubt den Vereinen, Wertverluste ihres oft völlig überteuert zusammengekauften Spielerkaders auf zehn Jahre zu verteilen, statt sie, wie bisher, im Entstehungsjahr abzuschreiben.
Ohne diese Nothilfe des Gesetzgebers wären etliche Spitzenclubs der italienischen ersten Division ("Serie A") in akute ökonomische Bedrängnis geraten. Dazu gehört auch der vielfache Europacup-Sieger AC Mailand, dessen Eigentümer Italiens Premier Berlusconi ist. Statt knapp 30 Millionen Verlust, wie in der jüngsten Bilanz angegeben, hätte dessen Kicker-Truppe ohne das Dekret fast 250 Millionen Miese ausweisen müssen. Kippt Monti das Gesetz, weil es Italiens Mannschaften Wettbewerbsvorteile im Vergleich zu ihren europäischen Konkurrenten verschafft, wird es bitter für die Creme der Serie A. Denn die fünf Spitzenclubs schreiben, mit Ausnahme von Juventus Turin, tiefrote Zahlen. Einnahmen von 825 Millionen Euro standen in der letzten Saison Kosten von 1,2 Milliarden Euro gegenüber. Grund für die Misere sind vor allem die exorbitanten Spielergehälter, die das Gros aller Einnahmen verschlingen.
Zusätzliche Probleme bringen drückende Steuerschulden. Allein die beiden römischen Vereine stehen mit rund 200 Millionen Euro beim Fiskus in der Kreide. Wenn der ihnen nicht zubillige, die Rückstände - zins- und zuschlagsfrei - über zehn Jahre abzustottern, ließen sie die Finanzämter wissen, dann seien sie am Ende. Ein solches Steuergeschenk könnte freilich zu einem weiteren Fall für Mario Monti in Brüssel werden.