SCHULDLOS-SCHULDIG
Herr Professor Hahn hat ganz zweifellos der Menschheit ein neues Tor geöffnet. Es kann ihm aber aus der Tatsache, daß Atombomben gebaut werden, ebensowenig ein Vorwurf gemacht werden wie Kolumbus für die Taten der Amerika-Eroberer. Es ist nun einmal so, daß immer zuerst die Totschläger durch das neue Tor stürzen und kostbare Werte verlorengehen, bis besonnene Geister Herr der Lage werden.
Salzgitter-Bad LUDWIG ELSBETT Ingenieur
In einem Brief vom 2. August 1939 - einen Monat vor Ausbruch des großen Weltkrieges - machte Einstein, der an der Erforschung der Kernphysik sonst nicht maßgeblich beteiligt war, den Präsidenten F. D. Roosevelt auf die Möglichkeit des Baues und der militärischen Ausnutzung von Atombomben aufmerksam. Von da an hörte die stolze Tradition der Wissenschaftler auf, ihre Erkenntnisse Allgemeingut werden zu lassen, und die Fortschritte, die die Physiker L. Szilard, E. Wigner, Edward Teller, V. E. Weißkopf und der große Enrico Fermi erzielten, wurden von strengstem Geheimnis umgeben.
Nürnberg DR. HEINRICH RICHTER Diplom-Optiker
Die Atombombe wurde nur deshalb in Deutschland nicht entwickelt, weil die, die es konnten, schon Deutschland verlassen hatten, und die, die da waren, es nicht konnten.
z. Z. Luzern DR. HANS-JOACHIM HART
Die im nationalsozialistischen Deutschland verbliebenen Atomwissenschaftler, die zur wirklichen geistigen Elite und nicht zu den durch die braunen Wellen emporgespülten Forschungskommissaren gehörten, hatten ihren emigrierten Kollegen also eines voraus: Sie waren nicht gewillt, die Atombombe für ihren Kriegsherrn zu bauen. Aber sie mußten für ihr Verbleiben in der Heimat nicht nur das Opfer bringen, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nutzen zu können, sie mußten auch - wenn sie nicht so stark wie beispielsweise Max von Laue waren (der ungeachtet der Bedrohung von Freiheit und Leben zu den schärfsten Opponenten von Hitler gehörte) - politische Opfer bringen.
In diesem Sinne ist auch das von Ihnen zitierte Schuldlos-Schuldig-Bekenntnis des Carl Friedrich von Weizsäcker zu verstehen; denn der kompromißgeneigte Diplomatensohn war manchmal bis »hart an die Grenze« gegangen. So hieß es zum Beispiel in dem von ihm verfaßten »Seefeld-Bericht«, einem für hohe Regierungsstellen bestimmten Kommunique über die Tagung deutscher Physiker im Jahre 1942, ganz« in der NS-Propaganda-Einheitssprache: »Bei der Seefelder Tagung wurde die Meinung vertreten, daß man die Ausschlachtung der physikalischen Relativitätstheorie in eine Weltphilosophie des Relativismus, wie es durch die jüdische Pressepropaganda der Systemzeit versucht wurde, verwerfen muß . . .«
Oldenburg KLAUS HARTMANN
Trotz aller Abschwächungsversuche steht doch fest, daß Vater und Sohn Weizsäcker sich in der Hitlerzeit in hervorragender und verantwortlicher Stellung befunden haben und sich in dieser auch halten konnten, weil sie an den Erfolg der Hitlerwehrmacht glaubten. Das soll ihnen nicht nachgetragen werden. Daß Sohn Weizsäcker aus dieser Einstellung heraus während des Krieges »handfeste Berechnungen« und Versuche in Richtung einer Kettenreaktion mit klarliegendem Ziele anstellte, soll ihm bei der bekannten Großzügigkeit der Bundesrepublik auch nicht zum Nachteil gereichen, wenn er sich auf seine wissenschaftliche Tätigkeit beschränkt.
Unerträglich ist es aber, wenn dieser so belastete Mann es wagt, mit politischen Erwägungen über atomare Aufrüstung an Bundesregierung und Öffentlichkeit heranzutreten. Aus dem Munde der Weizsäcker, Globke u.a. will das deutsche Volk jedenfalls keine politischen Belehrungen hören. Um so größeres Gewicht hat die Stimme Albert Schweitzers.
Bad Salzuflen DR. KARL WELLER
Sowie die Arbeiten deutscher Wissenschaftler einst den Ausgangspunkt für die Entwicklung der Atomwaffe bildeten, so scheinen jetzt auch wieder die ersten Impulse zur Heilung atomverseuchter Menschen von der deutschen Wissenschaft auszustrahlen. Das erste Beispiel dafür gibt uns der niedersächsische Arzt Dr. Siegmund Schmidt, der auf Grund der Niehans'schen Zellulartherapie dem Moskauer Arzt Prof. Bagdasarow empfahl, die 200 Sowjetbürger, die bei den sibirischen Atomwaffenversuchen Schäden durch radioaktive Strahlungen erlitten, mit Trockenzellen weißer Blutkörperchen zu behandeln.
Diese Methode soll bisher beste Erfolge aufzuweisen haben. Dennoch oder gerade deshalb bleibt das einzige Ziel von Dr. Schmidt: sofortige Einstellung jeglicher Atomwaffenversuche.
Hannover GERD MICHAELIS
Zum ganzen Atom-Problem hat unser verehrter Wilhelm Busch in weiser Voraussicht der kommenden Dinge schon 1893 im »Nöckergreis« seinen Kommentar gegeben:
... Ich sage bloß, die Welt ist böse.
Was soll, zum Beispiel, das Getöse,
was jetzt so manche Menschen machen
Mit Knallbonbons und solchen Sachen?
Man wird ja schließlich ganz vertattert,
Wenn's immer überall so knattert.
Das sollte man wirklich solchen Leuten
Mal ernstlich verbieten, und zwar beizeiten,
Sonst sprengen uns diese Schwerenöter
Noch kurz und klein bis hoch in den Äther,
Und so als Pulver herumzufliegen,
Das ist grad auch kein Sonntagsvergnügen.
Wie oft schon sagt ich: Man hüte sich.
Was hilft's? Man hört ja nicht auf mich.
Ein jeder Narr tut, was er will.
Na, meinetwegen! Ich schweige still!
Husum KARL HASS
Frankfurter Rundschau
Atom-Wandler