Schutz
Immer noch ist die Verfassung ohne amtlichen Schutz. Nachdem die Sowjetzone ein ausgewachsenes Ministerium für Staatssicherheit auf die Beine stellte, will Bundesinnenminister Heinemann energischer als bisher die Geburt des westlichen »Amtes für Verfassungsschutz« vorantreiben. Sein Gesetzentwurf - gegenwärtig in der Ausschußberatung - wird bald dem Kabinett und dem Plenum vorgelegt werden. Trotzdem rechnet Bonn mit einer komplizierten Spätgeburt. - Im Gegensatz zur sowjetzonalen Gestapo-Imitation werden die westdeutschen Verfassungsschützler nur informatorische Aufgaben haben. Verhaften dürfen sie nicht. Als Kandidaten für die Leitung des Verfassungsschutz-Amtes werden genannt:
* Werner Jacobi. SPD-Bundestagsabgeordneter und früherer Staatskommissar zur Bekämpfung von Korruption und Mißwirtschaft in Nordrhein-Westfalen,
* Senatspräsident Dr. Behnke, aus dem Canaris-Kreis,
* 20.-Juli-Mann Hahn, baute nach 1945 die württemberg-badische Polizei auf und quittierte seinen Dienst, als er Meinungsverschiedenheiten mit der US-Besatzungsmacht bekam,
* ein Journalist namens v. Koerber.
Auch der a.D.-Generalmajor Gehlen, gewesener Leiter der Abteilung Fremde Heere Ost im Oberkommando der Wehrmacht, sei Kandidat, wußte die Nachrichtenagentur United Press zu berichten. »up« war diesmal besser orientiert als Gehlen selbst. Der hatte keine Ahnung. - Wer Bonns oberster Verfassungsschützler wird, ist weiter in der Schwebe.