Schwarze Taliban - DER SPIEGEL
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NIGERIA Schwarze Taliban

• aus DER SPIEGEL 32/2009
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Radikale, religiöse Eiferer, bittere Armut und überforderte Sicherheitskräfte: Das waren die Zutaten zu den bisher gewalttätigsten Auseinandersetzungen zwischen islamischen Fundamentalisten und Regierungstruppen im Norden Nigerias. Hunderte Menschen starben, Tausende flohen. Auslöser war die Verhaftung mehrerer Anführer der islamischen Sekte Boko Haram, woraufhin deren Anhänger Polizeistationen angriffen. Nach heftigen Kämpfen wurde am Donnerstag in der Stadt Maiduguri Mohammed Yusuf exekutiert, der 39-jährige Anführer von Boko Haram. Seit Jahren versuchen Fundamentalisten im Norden Nigerias, die Geltung der Scharia auszuweiten, die in 12 der 36 Bundesstaaten angewandt wird. In Maiduguri, vor rund hundert Jahren von den Briten als Militärstützpunkt angelegt, eskalierten die Kämpfe womöglich auch deshalb, weil die Scharia dort eher liberal gehandhabt wird. Die Stadt gilt als eine Art Vergnügungszentrum für Vermögende aus den frommen Nachbarprovinzen.

»Diese Kämpfe haben eine neue Qualität«, sagt auch Peter Körner vom Hamburger Institut für Afrikastudien. Ähnlich blutige Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen gab es schon öfter, nicht jedoch zwischen Scharia-Anhängern und Staatsorganen. Millionen Nigerianer - schätzungsweise die Hälfte der 150 Millionen Einwohner sind Muslime - suchen Zuflucht im Glauben, nachdem insbesondere der Norden des Landes in extreme Armut zurückgefallen ist. Von den vielen Milliarden Dollar, die die Ölvorkommen im Niger-Delta ins Land spülen, kommt im Norden so gut wie nichts an.

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