Schwarzer Dienstag - DER SPIEGEL
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BAHAMAS / WAHLEN Schwarzer Dienstag

• aus DER SPIEGEL 5/1967
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Ein farbiger Abgeordneter im Parlament der Bahamas überschritt seine Redezeit. Ein Polizist schleifte ihn vom Rednerpult.

Da griff Lynden O. Pindling, der farbige Chef der oppositionellen »Progressive Liberal Party« (PLP), zum Hammer des Speakers, schleuderte ihn aus dem Fenster und zog mit seiner schwarzen Acht-Mann-Fraktion aus dem Plenum aus.

Das war am 27. April 1965 seither preisen die Bahama-Schwarzen diesen Tag als ihren »schwarzen Dienstag«.

Am 10. Januar 1967 erlebte die Inselgruppe im Atlantik, nr 300 Kilometer von ·Florida entfernt, ihren zweiten »schwarzen Dienstag": Hammerwerfer Pindling, 36, wurde Regierungschef.

Der erste farbige Regierungschef in der 300jährigen Geschichte der britischen Kolonie -- die durch einen Gouverneur mit der Krone in London verbunden, innenpolitisch aber seit 1964 souverän ist -- errang seinen Sieg, als weder er noch die 110 000 Insel-Schwarzen und die knapp 30 000 Bahama-Weißen damit rechneten.

Denn durch ein ausgeklügeltes Wahlsystem wähnten sich die Weißen vor einer schwarzen Parlamentsmehrheit geschützt. Außerdem erwarteten sie Anerkennung für den Wohlstand, den sie unter Führung der »Bay Street Boys«, knapp zwei Dutzend cleverer Geschäftsleute, auf die Inseln gebracht hatten.

Allein im letzten Jahr besuchten 800 000 Touristen, vorwiegend Amerikaner, die »Inseln in der Sonne« (30 von über 700 sind bewohnt) und ließen fast 550 Millionen Mark Devisen dort -- 90 Prozent der Bahama-Staatseinnahmen.

Überall an den Sandstränden der Inseln entstanden neue Hotels, Swimming-pools und Golfplätze. Ein Quadratmeter Boden entlang der Küste von Grand Bahama, in deren pittoresker Umgebung der James-Bond-Streifen »Feuerball« gedreht wurde, kostet inzwischen über 40 000 Mark.

»77 Banken errichteten Filialen auf den Inseln und machten die Bahamas zur Schweiz im Atlantik: Sie eröffnen ausschließlich anonyme Nummern-Konten und zahlen sechs Prozent Zinsen.

Die Bahama-Bewohner verdienen soviel Geld wie nie zuvor Ein Bau-Vorarbeiter trägt wöchentlich rund 2200 Mark nach Haus, die meist skandinavischen oder bundesdeutschen Barmädchen kassieren 700 Mark -- steuerfrei. Denn auf den Bahamas wird keine Einkommensteuer erhoben.

Die Amerikaner sicherten durch immer neue Touristenströme und Investitionen den Wohlstand. Der weiße Premier Sir Roland Symonette dankte ihnen, indem er das britische Pfund als Landeswährung durch den Dollar ersetzte und immer mehr Amerikaner in die Spitzen der Bahama-Unternehmungen eindringen ließ -- Amerikaner, die oft daheim wegen Steuerhinterziehung oder anderer Delikte vorbestraft waren.

Die Regierung wurde Geschäftspartner der Geschäftemacher. Sie erteilte eine Lizenz für die Eröffnung von Spielkasinos, obwohl die Verfassung das Glücksspiel verbietet Symonettes Finanzminister, zugleich Rechtsberater der Glücksspiel-Gründer, kassierte dafür vier Millionen Mark, der Premier erhielt auf fünf Jahre ein »Beratungshonorar« von jährlich 67 000 Mark.

Als Pindling gegen den »Vormarsch der Gangster« protestierte, schrieb Symonette kurzerhand Neuwahlen aus. Er vertraute auf das Wahlsystem und die Hilfe der Analphabeten, die vor der Wahlkommission laut bekunden dürfen, wen sie wählen wollen (und bislang 300 Mark erhielten, wenn sie sich für Symonette entschieden).

Pindling indessen führte den Wahlkampf so erbittert, daß die Briten ihren Zerstörer »Defender« in Sichtweite der Bahama-Hauptstadt Nassau auffahren ließen. Als am »schwarzen Dienstag« ausgezählt wurde, hatte die PLP ebenso viele Sitze (18) erhalten wie Symonettes Partei. Zwei Unabhängige -- ein Weißer und ein Schwarzer -- schlossen sich Pindling an, die »Bay Street Boys« hatten verloren.

Der neue Premier, als Rechtsanwalt mit einem Jahreseinkommen von etwa 200 000 Mark einer der reichsten Bahama-Schwarzen, ist überzeugter Anglikaner. Ein Drittel seines Einkommens führt er an die Partei, ein Zehntel an die Kirche ab.

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