MAGAZINE »Schwebendes Verfahren«
SPIEGEL: Frau Schweins, der Sender lobt Ihre Wahl als »kühne Personalentscheidung«. Was macht Sie so riskant?
Schweins: Ach Gott, mit Kulturprogrammen verbindet man vielleicht eher Damen, die nicht jahrelang als Comedian und TV-Schauspielerin gearbeitet haben. Ich finde die Entscheidung jedenfalls nicht kühn, dass ich mein Gesicht für diese Sendung an jedem ersten Samstag im Monat zur Verfügung stelle, sondernd angemessen, zumal ich das Magazin ja redaktionell mitgestalte.
SPIEGEL: Jedes »Foyer« dauert eine gute halbe Stunde. Da können Sie bestenfalls nur Appetithäppchen kredenzen.
Schweins: Amuse-Gueules, wie es in Gastro-Kreisen heißt. Wir wollen nicht die Magensäfte fließen lassen, sondern die im Gehirn. Es geht nicht darum, ein Nischenpublikum zu einem Millionenauditorium aufzupusten. Aber ich hoffe doch, dass wir mit unseren Beiträgen ein paar Leute fürs Theater gewinnen können, die bisher wenig mit dieser Kunstform zu tun hatten.
SPIEGEL: Welches Theater steht Ihnen am nächsten?
Schweins: Seit ich in Berlin wohne, gehe ich sehr gern ins Berliner Ensemble von Claus Peymann. Da gefällt mir die Mischung aus Traditionspflege und Gegenwartstheater. Ich sage das übrigens nicht, weil wir in unserer ersten Sendung bei Peymann zu Gast waren.
SPIEGEL: Hat der Medienprofi Ihnen bei der Gelegenheit wenigstens gleich eine Rolle angeboten?
Schweins: Das würden Sie gern wissen, was? Aber über schwebende Verfahren spricht man beim Theater nicht.
SPIEGEL: Sie haben zwar am Theater angefangen, sich aber schnell verabschiedet und lieber eine steile TV-Karriere gemacht. War das im Rückblick ein Fehler?
Schweins: Es ist ein Fehler, sein Leben in der Rückschau zu sehen. Es ist so gelaufen, wie es gelaufen ist. Grundsätzlich finde ich, dass man als Schauspieler weder auf die Bühne noch aufs Fernsehen oder auf den Film verzichten sollte. Im Theater kann man jedenfalls viel Kraft schöpfen. Und das wollen wir in »Foyer« auch rüberbringen.