Schweigen - DER SPIEGEL
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Schweigen

• aus DER SPIEGEL 33/1948
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In Südwürttemberg-Hohenzollern wurde die Streiktrommel gerührt, um gegen den französischen Demontagebefehl zu protestieren. Der starke Gewerkschaftsarm ließ einen Tag lang alle Räder stillstehen. Auch die Beamten streikten mit, obwohl ihnen das nach der Verfassung nicht erlaubt ist. Staatspräsident Wohleb und Wirtschaftsminister Dr. Lais bestürmten in mehreren Audienzen das französische Demontagegewissen, auf dem die Franzosen unter Hinweis auf die Zuständigkeit der Reparationsagentur Brüssel weiterhin einträglicher Ruhe pflegen. Die Industrie- und Handelskammer Baden wandte sich mit einem verzweifelten Hilferuf an die amerikanische Militärregierung. Württemberg-Hohenzollern mußte von der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion der letzten drei Jahre fast ein Drittel (für 130 Millionen Mark) an die Franzosen liefern. Von den 127 Millionen RM der Gesamtproduktion Südbadens gingen 1947 mindestens 54 Millionen auf das Konto der französischen Besatzungsmachthaber. In den ersten fünf Monaten 1948 wurden in Südbaden 5,6 Millionen Meter Textilien hergestellt. In 37 Prozent davon hüllten sich Franzosen.

Die Maybach-Motorenwerke AG. und die Zahnradfabrik Friedrichshafen traf aus heiterem Himmel der Demontageblitz. Maybach stand bisher auf keiner veröffentlichten Liste. Die Zahnradfabrik war nach Berichten der »Badischen Zeitung« am 30. Juli ausdrücklich von der Demontageliste gestrichen worden. Jetzt wurde ihr in dem blauen Brief der französischen Besatzungsmacht befohlen, 191 Maschinen leihweise an eine französische Gesellschaft zu liefern. Die Arbeiter der Werke werden durch Plakatanschläge aufgefordert, gleich mit nach Frankreich zu kommen.

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