Nach dem Ende des Hochwassers an der Oder kommt es zum Streit in der Brandenburger Landesregierung um die Konsequenzen. So trifft die erklärte Absicht des Umweltministers Matthias Platzeck (SPD), für die Oder neue Überflutungsflächen zu schaffen, Deiche zurückzuverlegen und Ackerland in Auen umzuwandeln, auf Widerstand aus dem Landwirtschaftsministerium. Minister Edwin Zimmermann (SPD) will »keinerlei Aktivitäten« unterstützen, die eine »Entwurzelung der Landwirte« zur Folge hätten. Er wundere sich überdies, daß Platzeck das Thema in der Öffentlichkeit, jedoch noch nicht am Kabinettstisch angesprochen hat.
Rückendeckung erhält Platzeck von der Münchner »Allianz Stiftung zum Schutz der Umwelt«. Mit sieben Millionen Mark fördert die Umweltstiftung bereits die Renaturierung von Schilfgebieten und Teichen im sächsisch-brandenburgischen Einzugsgebiet der Spree. Die Stiftung des Versicherungskonzerns plädiert dafür, in »Risikozonen« an der Oder »statt hochwertiger Industrieanlagen naturnahe Agrarflächen« zu bevorzugen.
Das Bundesverkehrsministerium plant gleichwohl nördlich von Schwedt einen neuen Grenzübergang für den Güterverkehr nach Polen. Dazu soll eine Straße gebaut werden, die durch einen Überflutungspolder des Nationalparks »Unteres Odertal« führen würde. Platzecks Ministerium lehnt die »Zerschneidung« des Nationalparks ab. Die vorgesehene Trasse wäre ein »schwerwiegender Eingriff in die Natur«.