Seelen
Die sozialdemokratischen Parteiführer in Bonn wollen verhindern, daß die christgläubigen Wähler im September vor einer Stimmabgabe für die SPD zurückschrecken, aus Furcht, Antichristen oder Kirchenfeinde
zu wählen. Ollenhauer und Mellies zählen fest darauf, daß Konrad Adenauers CDU-Wahlkämpfer der christlichen Wählerschaft das Schreckgespenst sozialistischer Gottlosigkeit vorhalten werden, im Sinne von August Bebels Ausspruch: »Sozialismus und Religion stehen zueinander wie Feuer und Wasser.« Die SPD bemüht sich daher, mit den Kirchenführern beider Konfessionen einen Burgfrieden auszuhandeln,
der von den höchsten Autoritäten vor der Wahl proklamiert werden soll. Darin sollen die christlichen Untertanen von ihren Kirchenfürsten den Freibrief erhalten, ohne Schaden für ihre Seele sozialdemokratisch wählen zu dürfen. Als Gegenleistung ist die Parteiführung der SPD bereit, alle Angriffe gegen die Kirchen in ihrer Partei zu unterbinden und ggf. zu verfolgen. Außerdem würde sie versprechen, mit den sozialen und karitativen Organisationen der Kirchen loyal zusammenzuarbeiten. Ein Vertrag über diesen Frieden ist noch nicht geschlossen, doch Verhandlungen haben begonnen.