»Sehr aggressiv« - DER SPIEGEL
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PRESSE »Sehr aggressiv«

David Ignatius, 52, Chefredakteur der »International Herald Tribune«, über die internationalen Expansionspläne der »New York Times«
• aus DER SPIEGEL 45/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Nach 36 Jahren hat die »International Herald Tribune« nur noch einen Besitzer: Die »New York Times« drängte die »Washington Post« aus dem Projekt. Wurde die Redaktion überrascht?

Ignatius: Wir haben erst am Schluss davon erfahren. Wir wussten von Diskussionen um die Struktur der »Tribune«, aber die fanden nur auf höchster Ebene zwischen den Verlegern Arthur Sulzberger Jr. und Don Graham statt.

SPIEGEL: Wie geht es weiter?

Ignatius: Die »New York Times« wird sich nun vor allem mit der Frage beschäftigen müssen, ob und wie man die Marke »Tribune« neu ausrichten wird. Was wir bis jetzt hören, ist ermutigend: Name und internationaler Charakter sollen erhalten bleiben, vor allem soll frisches Geld investiert werden.

SPIEGEL: Die »New York Times« will durch die »Tribune« international expandieren, vor allem in Europa. Angesichts der Werbekrise ist das überraschend.

Ignatius: Die »New York Times« ist seit einiger Zeit der Meinung, eine internationale Mission vor sich zu haben. Dies scheint für sie so wichtig zu sein, dass sie unbedingt der einzige Besitzer der »Tribune« werden wollte.

SPIEGEL: Der Pressemarkt ist eng. Wo können Sie Marktanteile gewinnen?

Ignatius: Die Neunziger waren geprägt von Geld und Finanzen, also genau richtig für »Financial Times« und »Wall Street Journal«. Dieses Jahrzehnt ist anders: Es geht um Krieg und Frieden, Terrorismus, ein neues Europa. Alles Themen, die unsere große Stärke sind. Schon im letzten Jahr konnten wir so in einigen Märkten zulegen. In Asien haben wir unsere Auflage um bis zu 80 000 Exemplare gesteigert. Und wir sehen die Chance, in China zu publizieren.

SPIEGEL: Die »Tribune« kooperiert lokal mit vielen Zeitungen, darunter der »FAZ«. Die werden eine Expansion in ihren Markt nicht gern sehen.

Ignatius: Wir wollen auf jeden Fall weiter mit unseren neuen Partnern zusammenarbeiten. Aber die »New York Times« ist ein sehr aggressiver, finanziell sehr gut aufgestellter Zeitungsverlag. Die »Times« spielt nie, um zu verlieren. Sie hat diesen Schritt getan, um mächtiger zu werden.

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