Sei kein Frosch - DER SPIEGEL
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BÜCHER Sei kein Frosch

Herbert Achternbusch: »Das Haus am Nil«. Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 188 Seiten; 36 Mark.
• aus DER SPIEGEL 47/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In seinem jüngsten Film »Das letzte Loch« leistet der bayerische Kunstspinner Herbert Achternbusch Trauerarbeit auf seine Weise: Pro ärztlich verordnetem Stamperl Schnaps kann er jeweils einen von den Nazis ermordeten Juden vergessen. Die Kritik bescheinigte ihm daraufhin Vergangenheitsbewältigung chaplinesken Ausmaßes, »Die Zeit« lobte den Film als »ein Endspiel aus lauter falschen Bewegungen«.

Nachzulesen ist das Drehbuch zu diesem Andechser Schuldgefühl nun in Achternbuschs neuem Buch, in dem sich auch der Entwurf zu einem Theaterstück mit dem Titel »Der Frosch« findet. Darin betreibt der Frosch - durch die Liebe zum Bier und zu einer Bedienung namens Susn als des Dichters alter Ego ausgewiesen - Ahnenforschung. Sein Vater sei Harpo Marx, seine Mutter Marieluise Fleißer. Der stumme Anarcho-Clown mit dem unstillbaren Hunger auf Blondinen und die beredte Dichterin S.238 bayerischer Mund-Unart - Herbert Achternbusch ist nicht von schlechten Eltern.

Das belegen auch zwei andere Texte in diesem Buch, die, mit zahlreichen Farbphotos illustriert, von Achternbuschs Reisen in seine bayerische Heimat und nach Ägypten berichten. Auf Spurensuche in diesem »Lodenfrei-Bayern«, dem er schon vor Jahren »Servus« gesagt hatte, entdeckt er knorrige Menschen in einer uniformen Architektur: »An den Fenstern zeigt sich immer das erste Symptom des modernen Baukrebses. Auf eine immer häßlichere Umwelt schauen die Leute durch immer größere Fenster hinaus.« Und in Kairo notiert er: »Grell beleuchtet die neue Elektrizität die wachsende Armut der Mehrheit.«

Mit diesem Buch beweist Achternbusch, daß er, anders als in seinen Filmen, nicht nur sich selbst und seine Wut zu feiern vermag, sondern auch mit der Trauer eines Komikers die Welt um sich herum registriert. Sein haßgeliebtes Bayern hat ihm soeben ein Friedensangebot unterbreitet: Die bayerische Filmförderung wird seinen nächsten Film mitfinanzieren. Geplanter Titel: »Der Depp«.

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