Sein oder Nichtsein?
(Nr. 45/1994, Deutsche Einheit: Bürgerrechtler und Funktionäre der ehemaligen DDR über Träume im Wendeherbst)
Zu dieser Diskussion kann man dem SPIEGEL nur gratulieren. So etwas sollte Vorbild sein, sollte Schule machen. Sie haben da genau die richtigen Leute zusammengebracht, damit allen ein »DDR-Licht« aufgehen kann. *UNTERSCHRIFT: Ärla (Schweden) MARTIN BERTSCH _(* In Berlin am 4. November 1989. )
Wenn man diesen Bericht über das Gespräch zur deutschen Einheit liest, wird man das Gefühl nicht los, daß man für die nächsten 45 Jahre wird hören müssen, was alles schiefgelaufen ist nach dem Mauerabbruch und warum man unter der Wiedervereinigung zu leiden hätte. Bitte freut euch doch wenigstens ein bißchen. *UNTERSCHRIFT: Luzern T. SCHMIDHAUSER
Mir wird übel, lese ich die selbstgefälligen Statements von ehemaligen SED-Mitgliedern, Stasi-Angehörigen und anderen, die jahrzehntelang vom politischen System der DDR profitierten und heute die »Zerstörung ihrer Biographien und Ausgrenzung« beklagen. *UNTERSCHRIFT: Berlin D. FLEISCHER
Definiert man »Intelligenz« nicht völlig falsch und zu Lasten der wirklich intelligenten Bürgerrechtler und Reformer, wenn man die staatstragenden Schlauberger und Mitmacher des ruinösen DDR-Machtapparates noch heute so bezeichnet . . .? *UNTERSCHRIFT: Braunschweig HANS-HARRO THIELE
Umarmen oder ausgrenzen? - Typisch für eine bestimmte Geisteshaltung. Alles wird auf das Shakespeare-Wort »Sein oder Nichtsein?« zurückgeführt. Das aber ist die letzte, bedeutungsvollste Frage unserer Existenz. Mit Verhalten im politischen Alltag hat das nichts zu tun. *UNTERSCHRIFT: Berlin LOTHAR LÖFFLER
Der IM Denunziant eine Kreation der Stasi? Hört, hört - die Trompeten blasen. Welch ein willkommener Anlaß, den IM Denunziant zur Denunziation zu benutzen. Man muß wohl mit Blindheit geschlagen sein oder den eigenen Thron für unfehlbar halten, wenn man nicht mitbekommt, daß das auslaufende IM-Denunziationsprogramm Ost das Denunziantengesicht West immer deutlicher in den Vordergrund rückt. *UNTERSCHRIFT: Kassel K.-H. J. NAGEL
Eigentlich sollten wir Deutschen historisch bedingt geradezu prädestiniert sein zur Bewältigung der Aufgabe »Deutsche Einheit«. Hierzu sei jedem Interessierten die Lektüre von Erich Kästners »Notabene 45« angeraten, dort wird erklärt, wie selbstverständlich sich der Aggregatzustand der menschlichen Seele in einem totalitären System verändert. Und es wird ein Weg »danach« aufgezeigt: Wir dürfen und müssen ein neues Haus bauen. *UNTERSCHRIFT: Bad Kreuznach ANTJE SALUP
* In Berlin am 4. November 1989.