SELBSTVERSORGER - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 69 / 75

Briefe

SELBSTVERSORGER
• aus DER SPIEGEL 46/1967
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SELBSTVERSORGER

(Nr. 42/1967, Abgeordneten-Pension)

Während unsere Volksvertreter (sogenannte) versuchen, noch mehr aus der deutschen Futterkrippe zu erhaschen, sollen die Rentner ab ersten Januar 1968 vier Prozent ihres Renteneinkommens zur Krankenversicherung aufwenden. Wo manifestiert sich denn heute noch das Wort zum Wohle des Volkes dienen.

Noch vor einigen Monaten war unsere Wirtschaft k.o. und unsere Kasse war leer. Nunmehr eine Pension für Bundestagsabgeordnete in Höhe von 1000 bis 1500 Mark monatlich.

Gegen die modernen Raubritter im Bundestag gibt es nur die eine Möglichkeit, nämlich sie bei der nächsten Wahl in die Wüste zu schicken.

Birkenau (Hessen) ALBERT SPINDLER

Es ist nicht Mißgunst, wie etwa der Abgeordnete der SPD Herr Frehsee meint, die man solchen Plänen entgegenbringt.

Es gehört schon ein gerütteltes Maß an Wählerverachtung dazu, einen solchen Plan zu hegen.

Der immer krasser werdende Materialismus, welcher sich aus einer derartigen Verhaltensweise ergibt, kümmert nur wenige.

Es paßt nur zu gut in diese Landschaft, daß unsere Parlamentarier einer Untersuchung des Fernsehens zufolge, unter den Parlamentariern Europas diejenigen sind, die am wenigsten beschäftigt sein sollen. Mir kommen regelmäßig die Tränen, wenn ich höre, auf was die Herren oft verzichten müssen.

Gröbenzell (Bayern) KARL AMERSEDER Ingenieur

Welche Ehre, als kleiner Photographenmeister von Ihnen gleich hinter dem bekanntlich steinreichen Reichsfreiherrn von und zu Guttenberg in die stolze Galerie der prominenten Wohlstandsbürger eingereiht zu werden. Meine Kreditwürdigkeit muß das sehr aufgemöbelt haben, denn die Zahl von Bittgesuchen der verschiedensten Art nimmt seit Erscheinen des Artikels ständig zu.

Die Ausgaben eines Bundestagsabgeordneten, der aus selbständigen Mittelstandskreisen kommt und sich -- wie ich als Photographenmeister -- kaum noch um sein Geschäft kümmern kann, weil er sein Abgeordnetenmandat ernst nimmt, sehen folgendermaßen aus:

Gehalt für einen Geschäftsführer im eigenen Betrieb (bedingt durch meinen Ausfall) 1400 Mark

Gehalt für Sekretärin in Bonn 950 Mark

Zusätzliche Wohn- und Hotelkosten pro Monat 250 Mark

zirka 3000 Kilometer im eigenen Auto pro Monat 750 Mark

Beiträge an Partei und Fraktion 350 Mark

3700 Mark

Dieser Betrag wird gerade von den Diäten und Kostenpauschalen gedeckt, die ich als Abgeordneter beziehe. Alle übrigen Ausgaben wie Porto, zusätzliche Verpflegungskosten und so weiter muß ich aus meiner eigenen Tasche bezahlen. Kein Wunder also, wenn die Zahl der Abgeordneten aus dem selbständigen Mittelstand immer weiter zurückgeht.

Bonn RUDOLF OPITZ

Da ich es trotz der Misere der Landwirtschaft ganz schon fände, ein Bauerngut mein eigen zu nennen: Ich würde mich freuen, wenn Sie mir verraten, wo es liegt, damit ich davon auch Besitz ergreifen kann.

Bonn HEINZ FREHSEE

Von Kollegen wurde ich auf Ihre natürlich sehr schmeichelhafte Einschätzung meiner Vermögenslage -- »zehnmal besser gestellt«, »Diäten nur Taschengeld« -- aufmerksam gemacht. Da diese schon recht bejahrte Zeitungsente nur auf dem Teiche meiner Kreditwürdigkeit schwimmt, muß ich wohl alle damit verbundenen Zumutungen, Unterstellungen und dergleichen mehr von weniger freundlichen Zeitgenossen, als Sie es sind, in Kauf nehmen.

Es spricht aber nicht für die SPIEGEL-Redaktion, solche Behauptungen auf-.ß zustellen, ohne sich bei dem so reichlich mit »SPIEGEL-Geld bedachten Abgeordneten über die wirkliche Vermögenslage zu informieren und zugleich auch eine Information zu geben über die Höhe der für Abgeordnete entstehenden Nebenkosten. Das »Taschengeld« wird nämlich ausgegeben für Sekretariatskosten, Beiträge an die Partei, Wahlkreisfinanzierung, Aufwendungen für den zweiten Wohnsitz und ähnliches mehr.

Bonn DR. A. ELBRÄCHTER

Wann kommt endlich eine anständige Demokratie (und das kann nur eine Rätedemokratie sein), die diesen modernen neofeudalistischen Blutsaugern das Süppchen so gründlich versalzt, daß sie an alles denken, nur nicht mehr, wie sie ihr schmutziges Schäfchen ins Trockene führen können?

Beuel-Geislar (Nordrh.-Westf.) H. GERWINOWITSCH

Zur Ausgabe
Artikel 69 / 75

Mehr lesen über