Sentimentaler Touch - DER SPIEGEL
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TV-DUELL Sentimentaler Touch

Hans Mathias Kepplinger, 62, Kommunikations- und Meinungsforscher an der Universität Mainz, über das TV-Duell der Spitzenkandidaten
• aus DER SPIEGEL 32/2005
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Im TV-Duell wollen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Herausforderin Angela Merkel zwei Wochen vor der Bundestagswahl den Wählern ihre politischen Ziele noch einmal klar machen. Was können die Zuschauer dabei lernen?

Kepplinger: Wenn behauptet wird, die Leute würden durch TV-Duelle aufgeklärt, ist das schierer Unsinn. Das Fernsehen ist für die Übertragung von Sachinformationen ziemlich ungeeignet. Da können die Moderatoren die Kandidaten noch so sehr drängen, auf Arbeitslosigkeit und Rente einzugehen. Von den Sachaussagen werden die Zuschauer wenig bis nichts behalten. Was zählt, ist die Stimmung, die rüberkommt.

SPIEGEL: Also lassen sich die Zuschauer allein durch ein sympathisches Auftreten überzeugen?

Kepplinger: Ja, aber wer das TV-Duell gewinnt, entscheiden nicht nur die Zuschauer, sondern eher die Medien, die nach dem Duell darüber berichten und einen der Kandidaten zum Sieger küren.

SPIEGEL: Hat das TV-Duell auf diesem Weg Einfluss auf die Wahlentscheidung?

Kepplinger: Ein Wandel in der Wahlabsicht ließ sich bei den TV-Duellen vor der letzten Bundestagswahl nicht feststellen. Die Menschen fühlten sich eher in ihrer bestehenden Wahlabsicht bestätigt.

SPIEGEL: Also ist das Duell für den Wahlkampf eigentlich überflüssig?

Kepplinger: Der bedeutsamste Effekt besteht darin, dass das Fernsehereignis die Diskussion über Sachthemen wochenlang überdeckt. Davon profitiert in der gegenwärtigen Situation die SPD.

SPIEGEL: Wie kann Angela Merkel das TV-Duell für die CDU nutzen?

Kepplinger: Sie sollte auf keinen Fall mit Zahlen um sich werfen. Kompetenz zählt im Fernsehen nicht. Merkel sollte aus ihrer Biografie erzählen, etwas mit sentimentalem Touch. Dann gehen die Zustimmungswerte nach oben.

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