BALKAN Serben gegen Serben
Die serbische Minderheit im Kosovo fühlt sich von ihrem Schutzherrn, Jugoslawiens Präsident Slobodan Milosevic, verraten. Sie fürchtet, daß der Staatschef ihrer Region den Status einer Republik einräumen wird, wenn die internationale Gemeinschaft dafür im Gegenzug die Sanktionen gegen Jugoslawien aufhebt. Damit aber, so glaubt der Führer der Serbischen Widerstandsbewegung im Kosovo, Momcilo Trajkovic, seien den Sezessionsbestrebungen der albanischen Bevölkerungsmehrheit »Tür und Tor geöffnet«. Trajkovic: »Wir kämpfen jetzt an zwei Fronten - gegen die Albaner und gegen Belgrad.« Aufmärsche der serbischen Rebellen ließ Milosevic vergangene Woche massiv unterdrücken. Die Direktoren der Staatsbetriebe, in denen nahezu alle Kosovo-Serben arbeiten, hatten strikte Anweisung aus Belgrad erhalten, jedem Demonstrationswilligen mit fristloser Kündigung zu drohen, falls er seinen Arbeitsplatz verlasse, um zu protestieren. Zuvor war bereits ein Protest der »Aufständischen« (so die von Belgrad kontrollierten Kosovo-Medien) geplatzt, weil das Regime in Pristina den Strom abschalten ließ. Kaum begannen die serbischen Demonstranten, Belgrad zu schmähen, versagten die Mikrofone, und die Stadt versank im Dunkeln.