TERRORISMUS Showdown im Stadion
Die Fahndung nach Tätern, Hintermännern und vor allem den Finanziers der Bombenanschläge von Bali, bei denen am 12. Oktober mindestens 190 Menschen starben, tritt in die entscheidende Phase. Drei Hauptverdächtige sind bereits inhaftiert: Amrozi, der Besitzer des in Kuta Beach vor einer Bar in die Luft gesprengten Kleinbusses, sein Bruder Mukhlas sowie ein Imam namens Samudra. Insgesamt 15 Personen befinden sich in Gewahrsam, darunter ein Geldwechsler, der offenbar Kenntnis hat von der Finanzierung des Anschlags. Nach fünf Indonesiern sucht die Polizei seit November mit Fotos und Steckbriefen. Jetzt erweiterte sie diese Liste um sechs Schlüsselfiguren, zu denen auch der malaysische Universitätsprofessor Azahari zählt, ein Waffenexperte.
Rund 30 000 Euro hätten Vorbereitung und Ausführung gekostet, glauben indonesische und australische Ermittler. Der Betrag stamme teilweise aus dem Überfall eines Juweliergeschäfts und sei, verstaut in zwei Päckchen, den Tätern von Kurieren ausgehändigt worden. Auf diese Weise seien elektronische Überwachungssysteme unterlaufen worden, die, wie die australische Behörde Austrac, illegale Geldtransfers aufspüren sollen. Deren Experten prüfen täglich rund 35 000 internationale Kontobewegungen und haben seit 1994 einen Datenbestand von 60 Millionen Transaktionen gespeichert.
Welche konkreten Rollen die Verdächtigen des Bali-Anschlags gespielt haben, steht nicht in jedem Einzelfall fest. Die Terroristen-Jäger wissen aber mittlerweile von mehreren konspirativen Treffen, die der Tat vorausgingen: in Südthailand im Januar 2002, auf Java im August und im September. Schon jetzt beschäftigt sich die indonesische Regierung mit dem Prozess gegen die Terroristen, der in aller Öffentlichkeit stattfinden soll. Ausersehen für den juristischen Showdown ist das 15 000 Zuschauer fassende Fußballstadion von Bali, ein mit sechs Meter hohen Mauern und Stacheldraht bewehrtes Oval - nur 200 Meter neben dem Inselgefängnis.