Sieben Eide - DER SPIEGEL
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Artikel 17 / 83

REGIERUNGSBUNKER Sieben Eide

Der Bunker der Bonner Regierung ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der Republik. Ein Buch enttarnt die Anlage als perfektionierten Unsinn. _____« So kann ich auch für alle jene schreiben, die auf » _____« höchst geheimen Listen zu den auserwählten Überlebenden » _____« der langen Atomnacht gehören. Sie wissen noch nicht, was » _____« sie erwartet. Aber ich wünsche ihnen viel Vergnügen. » _____« Michael Preute » *
• aus DER SPIEGEL 16/1984
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Das Thema kam ihm ausgelutscht vor. Die meisten Zeitungen hatten schon darüber berichtet, im Fernsehen konnte man Bilder von schwarzen Regierungslimousinen sehen, die sich durch das mächtige Betonportal zwängten: In der Eifel zwischen Dernau und Ahrweiler, 20 Kilometer südlich von Bonn, gibt es einen Bunker, in den sich am Tag X die Bundesregierung zurückzieht, um jene Reste zu verwalten, die nach einem Krieg von der Bundesrepublik übrigbleiben werden. »Ich dachte, darüber gibt''s nichts zu schreiben«, erinnert sich der Journalist und Autor Michael Preute, »weil schon alles geschrieben ist: Ein Bunker ist eben ein Bunker.«

Doch schon bei den Vorrecherchen zu seiner Bunker-Fibel _(Michael Preute: »Vom Bunker der ) _(Bundesregierung«. edition nachtraben, ) _(Köln; 96 Seiten; 12,80 Mark. )

stellte Preute fest, daß unter den idyllischen Rotweinbergen am Nordufer des Flüßchens Ahr sehr viel mehr steckt als bloß ein atombombensicherer Unterstand für ein paar Politiker, Militärs und Beamte.

Preute stieß auf ein kafkaeskes Bunkersystem, dessen Bau mehrere Milliarden Mark verschlang und dessen Nutzen höchst umstritten ist. Und vor allem: Es gibt darüber kaum allgemein zugängliche Informationen.

Penible Geheimhaltungsvorschriften hatten bislang jedes kritische Nachforschen von Abgeordneten und Journalisten verhindert. Auch Preute konnte - natürlich - den Bunker nicht betreten, das Innenministerium, Hausherr der Anlage, blockte ab.

Der 47jährige Journalist verlegte sich notgedrungen auf Basisrecherchen. Während dreieinhalb Monaten interviewte er 120 Ingenieure und Betonfacharbeiter beteiligter Baufirmen, Kabelzieher von der Bundespost, Wachleute, Wartungspersonal, Grenzschutzbeamte und Putzfrauen, die alle auf irgendeine Art mit dem Bunker in Berührung gekommen waren. 10 800 Kilometer legte er im Auto zurück, diskutierte nächtelang mit Anwohnern, erwanderte stundenlang das Bunkergelände. Die Kleinarbeit ergab ein überraschend dichtes Bild von einem der bestgehüteten Geheimnisse der Republik.

Seine Buchreportage hat er literarisch leicht verfremdet, um einer allfälligen Beschlagnahme durch übereifrige Staatsanwälte vorzubeugen und gleichzeitig zur Schweigepflicht angehaltene Informanten zu schützen.

Das Bunkergelände ist größtenteils frei zugänglich, der Rotweinwanderweg, im Sommer ein beliebtes Ziel von Tausenden von Ausflüglern, führt quer drüber weg. Sichtbar sind einzig die Belüftungsschächte und die massiven Betonportale, von denen es mindestens zwölf gibt, inklusive der Ausgänge der Fluchtstollen.

Vor einem der Portale, mitten im Dorf Dernau, ist ein Kinderspielplatz angelegt, »für Kinder bis zu zehn Jahren« besagt ein Hinweisschild.

Nirgendwo weisen Tafeln auf ein Photographierverbot hin. Neugierige werden

von auffällig-unauffälligen Wachleuten in ziviler Förstertracht beobachtet. Wachkommandos des Bundesgrenzschutzes notieren Nummernschilder von Fahrzeugen.

Tagelang wurde Preute von einem MAD-Duo beschattet. Seine Recherchen konnte er dennoch weitgehend ungehindert zu Ende bringen. Er trat offen als Journalist auf, vermied jeden Hauch von Konspiration und sagte allen Gesprächspartnern rundheraus, was er vorhatte: »Ich will alles über diesen Bunker wissen.«

Die Masche wirkte, die Menschen im Ahrtal und anderswo waren sehr viel mitteilsamer, als er erwartet hatte, insbesondere pensionierte Tunnelbauer und -bedienstete, die nicht mehr um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen.

Zwar kennt Preute, der in Köln als freier Journalist und Autor arbeitet, weder die genauen Maße des Kanzlerappartements im Bunker, noch weiß er die Farbe von dessen Badezimmerfliesen. Er kann die riesige Computeranlage nicht entschlüsseln, die Lage der Mikrofilmdatei nicht genau lokalisieren und auch die Details der Leichenbeseitigungsanlage nicht beschreiben.

Doch er erfuhr immerhin, daß es all das bis zu 312 Meter tief unter den Weinreben verborgen gibt. Und er weiß inzwischen vermutlich weit mehr über den Regierungsbunker als jene paar hundert Ministeriale, Parlamentarier, Bürokraten und Bedienstete, die in regelmäßigen Abständen im Berg den Katastrophenfall als »Bundeskanzler üb.« oder »Verteidigungsminister üb.« proben, Phantomgesetze verabschieden und Scheinverhandlungen über einen Waffenstillstand mit dem unsichtbaren Feind führen. Während der Wintex-Übungen der Nato bekommen die Katastrophendarsteller ohnehin nur einen kleinen Teil der Anlagen zu sehen, »unsere Showräume«, wie ein Bunkerwächter verriet.

Die Bunkerinsassen - nach Preutes Recherchen sind es im Ernstfall weit über 3000 -, die während der 14 Tage dauernden Übungen isoliert von der Außenwelt im Berg leben, haben viel zu viel mit sich selbst zu tun, als daß sie sich gründliche Gedanken über die Stadt unterm Weinberg machen könnten.

Die Arbeitsbedingungen sind hart, trotz relativ passabler Ausstattung. Bisher wurden über 30 Nervenzusammenbrüche registriert. Manche Übungsteilnehmer reagierten den psychischen Streß des Bunkerdaseins in Alkoholexzessen ab. Psychiater und Psychologen gehören daher mit zur Mannschaft.

Außerhalb der Übungszeit schiebt die militärische Betriebsmannschaft jeweils sechs Wochen Dienst im Bau. Dann sind zwei Wochen Urlaub fällig: Das Betonmonster zerrt auch abgebrühten Bunkerprofis an den Nerven.

Kaum einer der 22 Bonner Abgeordneten, die Mitglieder des Notparlaments sind, hat eine Vorstellung davon, wie groß die im Weinberg versteckten Anlagen wirklich sind und wieviel sie gekostet haben. Der Regierungsbunker ist das vermutlich teuerste öffentliche Bauwerk der Republik - und zugleich das unheimlichste.

Die Kosten für Bau und Unterhalt sind in verschiedenen Rubriken des Haushalts versteckt, zumeist als Ausgaben für Zivilschutzanlagen. Geschätzte Baukosten des Hauptbunkers inklusive Nebenanlagen: weit über 5 Milliarden Mark, »vorsichtig kalkuliert« (Preute), jährliche Unterhaltskosten: mindestens 30 Millionen Mark. Über 100 Zivilbeschäftigte und eine unbekannte Anzahl Angehöriger von Grenzschutz und Bundeswehr sind allein für die Wartung in Friedenszeiten notwendig.

Während zehn Jahren, von 1961 bis 1970, waren Hunderte von Tunnel- und Bunkerbauer auf der Riesenbaustelle im Berg beschäftigt. Spezialisten der Essener Baufirma Torkret gelten seit ihrem Einsatz im Ahrtal weltweit als erfahrenste Bunkerexperten. Das »Torkretierungsverfahren« ermöglicht bergmännische Betonverankerungen von mehreren Metern Mächtigkeit.

Die Stadt im Berg wurde in röhrenförmigen Kavernen zwölf Meter unter der Sohle eines alten Eisenbahntunnels mit eiförmigem Profil angelegt. Die Länge der Stollen beträgt rund 30 Kilometer. Die Kavernen folgen nicht überall der alten Tunnellinie, sie breiten sich auch nach Norden aus, in Richtung Bonn.

Die Anlage ist in drei Hauptsektoren unterteilt: den Maschinen- und Versorgungstrakt unter dem 265 Meter hohen Trotzenberg sowie den »Macher«- und Verwaltungstrakt mit dem Haupteingang hinter dem ehemaligen Kloster Marienthal,

in dessen Gebäuden die Außenstelle des für die Verwaltung des Bunkers zuständigen »Amts zum Schutz der zivilen Bevölkerung« untergebracht ist.

Hinzu kommt das sogenannte dritte Bauwerk, das unter einem großen Plateau in den Berg gesprengt wurde und die Kavernen für die Heiz- und Dieselölvorräte enthält. Die Menge des eingelagerten Öls ist unbekannt, sie muß jedoch gewaltig sein.

Während Monaten karrten übergroße Tanklastzüge das Öl zur Zapfstelle im Berg. Zur Gesamtanlage gehört auch ein Fernmeldebunker der Bundespost im sechs Kilometer südlich gelegenen Dorf Staffel, der die Verbindung zur Außenwelt halten soll, wenn rundherum alles zusammenkracht.

Auf der Hochfläche über dem Bunker, beim Autobahnkreuz Meckenheim, ist ein schnurgerades Stück Autobahn als Start- und Landepiste ausgebaut worden. Der nie für den Verkehr freigegebene Rastplatz Swisttal dient im Ernstfall als Bereitstellungsraum für Flugzeuge, die erforderlichen Zuleitungen sind bereits verlegt.

Unklar ist, wo am Tag X der Hauptzugang ist; klar ist nur, daß der Atombunker dann nicht über das als »Haupteingang« bezeichnete Portal in Marienthal betreten wird.

Zwei hartnäckigen Gerüchten ist der Journalist nachgegangen, konnte sie aber nicht verifizieren. Das eine: Der mitten auf freiem Feld, in idealer Verkehrslage bei Meckenheim-Merl errichtete Neubau des Bundeskriminalamts, zehn Kilometer von Dernau entfernt und streng abgesichert, sei der tatsächliche Eingang, aber nur für den Ernstfall; deshalb hätten selbst BKA-Bedienstete keine Kenntnis davon.

Die andere Fama will wissen: Es gibt eine direkte Verbindung (20 Kilometer) zum Bunker des Verteidigungsministeriums. Preute sprach mit einem heute pensionierten, »absolut vertrauenswürdigen Betonfacharbeiter«, der »sieben Eide schwor« (Preute), in Marienthal in den Bunker gestiegen und erst wieder auf der Hardthöhe ans Tageslicht gekommen zu sein.

Beim Hauptbunker ist der Buchautor weniger aufs Spekulieren angewiesen. Da kann er Details nennen.

Im wichtigsten Bunkerteil, dem »Macher«-Trakt, sind die meterdicken Betonwände mit luftdurchlässigem Kunststoff verkleidet. Die größte Raumbreite mißt zwölf Meter, die Räume haben eine Höhe bis zu 3,6 Meter. Die Röhren sind zumeist in vier, stellenweise in zwei Stockwerke unterteilt, die mit Fahrstühlen der Marke »Schindler« miteinander verbunden sind. Die Lifts, berichtete Preute, sind Schwachstellen: Es gibt zu wenige, und sie sind zu langsam.

Als pannenanfällig erwies sich auch die Klimaanlage. Die Frischluft, durch komplizierte Filtersysteme gereinigt,

wird über senkrecht geführte zickzackförmige Kanäle angesogen, die in hüttenähnlichen Verschalungen an die Oberfläche am Trotzenberg und am Silberberg münden.

Die Temperatur muß mit einem aufwendigen Verfahren heruntergekühlt werden, dennoch ist es etwa 24 Grad warm. Die Wohn- und Arbeitsräume sind mit einfachen Stahlrohrmöbeln ausgestattet. Es gibt Konferenzräume und einen Versammlungssaal für mehrere hundert Personen. In den Schlafräumen stehen nie mehr als sechs Liegebetten.

In die Betonröhren ist auch eine unbekannte Anzahl appartementähnlicher Wohneinheiten eingebaut, die teilweise mit Bildern geschmückt sind. Die Wohnräume, Büros und Kommandozentralen sind in verschiedenen Farbtönen gehalten, warmleuchtende Rot- und Malventöne herrschen vor. Es gibt aber auch sattes Grün - die Bunkerbesatzung nennt es »Russisch-Grün«.

Drei Großküchen versorgen die Bunker-Insassen mit Mahlzeiten, die in mindestens zehn Kantinen ausgeteilt werden. Die Vorräte sind auf eine Überlebensdauer von zwei Jahren angelegt.

Etwa alle eineinhalb Jahre wird ein Teil der Lager geräumt und mit neuer Ware aufgefüllt. Ausgesonderte Nahrungsmittel, vom Reis bis zum gekochten Schinken, tauchen bisweilen auf Menüzetteln von Gasthäusern der Umgebung auf. Ein Wirt gestand Preute: »Natürlich darf man den Gästen nicht sagen, daß sie gerade die Notration des Bundeskanzlers essen.«

Als mangelhaft erwies sich die ursprünglich eingebaute Neonbeleuchtung im Bunker. Übungspersonen empfanden das Licht als unerträglich kalt, es machte die Leute krank. Deshalb mußten Tausende Neonröhren ausgewechselt werden. Preute beschreibt die für mehrere Millionen Mark speziell für den Bunker entwickelte neue Beleuchtung als »gelblich weich und angenehm hell«.

Unter Tage gibt es Verbindungswege, so breit wie Fußgängerpassagen. Die kilometerlangen Wege werden mit Elektrokarren, per Fahrrad oder schlicht zu Fuß zurückgelegt. Bürokratische Perfektion auch hier: Verkehrsschilder erlauben eine Geschwindigkeit von fünf Stundenkilometern - »ausgenommen Fußgänger«. Andere Plakate dienen der moralischen Aufrüstung für gestreßte Bunkermenschen: »Ordnung befreit von Fesseln und Gefahren.«

Eines der größten Probleme für die Betriebspsychologen, so fand Preute heraus, ist es, die Leute müde zu kriegen: Das Personal ist häufig aufgekratzt, öfter gereizt. Jogging und Radfahren im Röhrenlabyrinth werden als Therapie empfohlen. Über das interne Kommunikationssystem kann im Ernstfall der Kanzler zu seiner Getreuenschar sprechen.

Das komplizierte Bunkerlabyrinth ist in verschiedene Sektionen eingeteilt.

Kunststoffausweise mit elektronischen Sicherheitsvermerken - sie sind stets auf dem Körper zu tragen - verhindern unbefugtes Wechseln zwischen den einzelnen Sektoren.

Orwell lugt um jede Ecke: Lautsprecher warnen vor dem Betreten besonders sicherheitsempfindlicher Abteilungen. Wer sich nicht an die Warnrufe hält, läuft Gefahr, von automatisch schließenden Sicherheitsschleusen blockiert zu werden.

Wer den hyperperfekten Überlebenskäfig auf dem Reißbrett entworfen hat, konnte Preute nicht ergründen. Doch er ist sicher: »Es müssen Leute sein, die jeglichen Sinn für die Realität verloren haben.« So sind weite Teile des Bunkers, nach heutigen Erkenntnissen, durchaus nicht atombombensicher. Preute: »Gegen Raketen mit extrem hoher Treffsicherheit nützt der ganze Beton nichts.«

Der Regierungsbunker geriet zum Prototyp eines Projekts, das sich irgendwann verselbständigt und dann im Dunstklima übertriebener Geheimniskrämerei ungehemmt weiterwuchert: ein von der waffentechnologischen und strategischen Entwicklung überholtes Supermauseloch, in den fünfziger Jahren von Menschen geplant, die, geprägt von der Bunkermentalität der Bürostrategen des Zweiten Weltkriegs, Sicherheit in Betonstärke maßen.

Makaber ist die Parallele zum NS-Reich auch aus anderem Grund: Auf dem Bunkergelände stand ein KZ.

Keine Tafel, kein Mahnmal erinnert daran, daß im KZ-Außenlager Dernau-Marienthal (SS-Tarnbezeichnung »Rebstock") Menschen ermordet worden sind. Im Ahrtal verdrängt man die KZ-Vergangenheit genauso wie die Bunkergegenwart. Ein 1983 von Unbekannten aufgestelltes Hinweisschild »Zum KZ Dernau« verschwand innerhalb einer Stunde. Wer nach dem KZ fragt, erhält nur unwirsche Auskünfte.

In den Tunnels der 1913 begonnenen, aber nie in Betrieb genommenen Eisenbahnlinie Dernau-Liblar ließ Hitler 1944 »V-2«-Raketen montieren, zeitweise täglich bis zu zehn Stück. Im Ahrtal waren zu diesem Zweck über 2000 Fremdarbeiter in Barackenlagern einquartiert. Sie bauten die Tunnels auf eine Nutzfläche von 11 000 Quadratmetern aus.

Im August 1944 wurde ein KZ mit Stacheldraht und zwei Wachtürmen eingerichtet. 180 Häftlinge unbekannter Nationalität arbeiteten als Mietsklaven für die Koblenzer Baufirma Gollnow im Berg. Die Baracken lagen zunächst in Marienthal, unmittelbar vor dem heutigen Haupteingang zum Regierungsbunker; sie wurden dann, nach heftigen Luftangriffen der Alliierten, auf den Bahndamm zum westlichen Eingang des jetzigen Bunkers verlegt.

Als im Dezember 1944 die V-2-Montageanlagen ausgelagert und die KZ-Häftlinge nach Dora-Mittelbau abtransportiert wurden, waren von den 180 Insassen noch 99 am Leben.

Wie viele der 3000 privilegierten Bunkermenschen werden den großen Atomschlag überleben?

Es läßt sich nicht klären, wer überhaupt - außer dem engsten Kreis um den Kanzler - zu den erwählten Insassen zählen wird, die unter den Ahrbergen Zuflucht werden suchen dürfen. Und unklar bleibt auch, wie die 3000 VIPs den Bunker im Ernstfall ohne Bürgerproteste und -unruhen überhaupt betreiben können.

Denn die Nachbarn werden dann spätestens merken, daß sie wegen der Nähe zum Allerheiligsten der Nation als bevorzugtes Angriffsziel dienen. Zu ihrem Schutz aber sind nicht die geringsten Vorkehrungen getroffen: In Dernau gibt es keinen einzigen Bunkerplatz für die Bevölkerung.

So kann ich auch für alle jene schreiben, die auf höchst geheimen Listen zu den auserwählten Überlebenden der langen Atomnacht gehören. Sie wissen noch nicht, was sie erwartet. Aber ich wünsche ihnen viel Vergnügen.

Michael Preute

Michael Preute: »Vom Bunker der Bundesregierung«. editionnachtraben, Köln; 96 Seiten; 12,80 Mark.

Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile liegen zu dem im Artikel erwähnten KZ-Außenlager Dernau-Marienthal neue Forschungsergebnisse vor: So gilt es unter anderem als gesicherte Erkenntnis, dass – anders als im Text behauptet – im KZ-Außenlager Dernau-Marienthal keine Menschen ermordet wurden.

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