SIEBEN OSCARS
Die zahlreichen Leserzuschriften auf Grund Ihrer Kritik an dem Film »Die Brücke am Kwai« können wohl als Maßstab dafür genommen werden, daß es sich um ein Werk handelt, das einem größeren Publikum Anlaß zum Nachdenken und zur Diskussion gibt. Damit rückt dieser Film aus der Masse der sonst gebotenen heraus.
Ein Teil Ihrer Leser ist über Ihren Filmkritiker recht ungehalten, andere gehen am wesentlichen vorbei, sonst würden sie nicht von »weinerlichem Überschwang« oder »unheldischem Narrentum« sprechen oder in dem Film nur »eine wacker gezimmerte Urwaldklamotte« sehen. Diesen kann man doch zumindest als einen recht gut gelungenen Versuch bezeichnen, die Begriffe »Disziplin«, »Verantwortung« und »Gehorsam« als Eckpfeiler jeglicher Ordnung - nicht nur der militärischen - sichtbar zu machen.
Wiesbaden J. LEJEUNE-JUNG
Major in der Bundeswehr
Es geschieht Ihrem Filmkritiker ganz recht, daß ihm einmal die SPIEGEL-Leser ihr Mißfallen ausdrücken Ich habe schon lange den Eindruck, daß der Schreiber dieser Rubrik eine Extraprämie bekommt, wenn es ihm gelingt, geistreich sein sollende Worte in möglichster Kürze zu produzieren. Dabei könnte doch Ihre Kritik, da sie unabhängig von Filmannoncen ist, bei aller Subjektivität des Kritikers wertvoll für den Leser sein, im Gegensatz zu den Berichten der Tageszeitungen. Dazu muß man allerdings den Leuten ein wenig »aufs Maul schauen«, und es wäre in diesem Zusammenhange interessant zu wissen, warum »Die Brücke am Kwai« in anderen Ländern schon so lange läuft; sicherlich aus ganz verschiedenen Motiven, je nach der Mentalität des Landes, aber keineswegs wegen der vielen Oscars. Mir scheint, daß SPIEGEL-Leser Trevor die für uns Deutsche treffende Antwort vom rein menschlichen Standpunkt gegeben hat, obgleich er kein Deutscher ist!
Hamburg 24 WERNER REICHEL
Herrn Jack Trevor aus New York möchte ich sagen: An der »Militär-Neurose«, die Sie den deutschen Filmkritikern ankreiden, sind weiland amerikanische Nachrichtenoffiziere nicht ganz unbeteiligt. Ist diese Neurose nun so schädlich? Ach, wenn doch nicht nur unsere Filmkritiker militärneurotisch wären! Als ich »Die Brücke am Kwai« sah, wurde auch bei mir diese Neurose wieder wirksam. Das muß auch etwas am »wirkungsvollen Rahmen«, den »Krieg und militärische Disziplin bilden«, um Ihre Worte zu gebrauchen, gelegen haben.
München GOTTFRIED ERBACH
Nach Meinung Ihres Lesers Dr. Armin Knecht ist es »ebenso selbstverständlich wie unheroisch«, wenn ein Geheimdienstmann - als Filmfigur ist er im Zivilberuf Professor für orientalische Sprachen! - seinen Auftrag ("eine rein technische Frage«
- bei der es allerdings viele Tote gibt) »sozusagen über die eigene Leiche weg löst«. Alle Wetter, Herr Doktor Knecht!
Stuttgart EDUARD BÄUMLER
Nachdem wir den, übrigens perfekt gemachten, Film gesehen hatten, stritten wir lange und vergeblich über die Frage: Ist dieser Film für oder gegen den Krieg? Er ist natürlich nicht dafür, aber wenn nicht gegen Schluß ein Überlebender laut und deutlich lamentiert hätte: »Wahnsinn! Wahnsinn!« dann wäre noch nicht einmal klargeworden, wie dieser amerikanische Film zu seinem Thema eigentlich steht.
Insofern ist »Die Brücke am Kwai« wie ein echter Reißer gebaut, wie ein Kriminalstück, in dem der Funke von einer Ecke in die andere springt, um am Ende genau dort zu zünden, wo keiner den Kontakt vermutet. Was ist nun eigentlich »Wahnsinn« nach der Meinung der Hersteller dieses Filmes? Die Folgen des nicht sehr weit reichenden Horizonts des Langgedienten, seine Tugend der Treue, die das Mark der Ehre ist - oder etwa der Krieg? Wenn man es genau bedenkt, hat der Film mit dem Krieg wenig zu tun. Idioten, die für ihre Statuten ins Wasser springen oder über Leichen marschieren, gibt es in allen Amtsstuben der Welt. Der Film konnte keine bessere Auszeichnung haben als die siebenfache Bronze des stupide in die Gegend blickenden »Oscars«.
Bielefeld ULRICH KÖHN