NORDIRLAND Sieg der Starrköpfe
Gerry Adams, 55, Vorsitzender der IRA-nahen Sinn Fein, wird zunehmend zur Schlüsselfigur im zähen Friedensprozess in der britischen Unruheprovinz. Bei der Wahl der 108 Abgeordneten des Regionalparlaments vorigen Mittwoch feierte er einen rauschenden Wahlsieg und avancierte mit seiner Partei (24 Sitze) zur stärksten Kraft im katholisch-nationalistischen Lager. Jetzt liegt es an Adams, eine Brücke zu den anderen Parteien zu schlagen, die das Belfaster Friedensabkommen von Karfreitag 1998 umzusetzen versuchen, insbesondere zu den protestantischen Unionisten. Bislang glauben die Protestanten trotz der Vernichtung etlicher Waffendepots nicht, dass die IRA den bewaffneten Kampf für den Anschluss an Irland endgültig aufgegeben hat. Adams' Aufgabe wird dadurch erschwert, dass die moderate Ulster Unionist Party des bisherigen Ministerpräsidenten und Friedensnobelpreisträgers David Trimble eine schwere Schlappe erlitt. Mit 27 Sitzen errang er 3 Mandate weniger als Ian Paisley, 77, der protestantische Scharfmacher und Gegner jeder Verständigung mit den Katholiken. Der Chef der Demokratischen Unionisten (DUP) will nun das Friedensabkommen revidieren. Von einem Reporter befragt, ob er mit Sinn Fein verhandeln werde, packte der militante Pfarrer den Journalisten am Kragen und brüllte: »Nein, niemals!«