So oder so - DER SPIEGEL
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ENGLAND-HILFE So oder so

• aus DER SPIEGEL 14/1965
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John Diamond, Londoner Wirtschaftsprüfer, Millionär und derzeit Labours stellvertretender Schatzkanzler, läßt Königin Elizabeth in Bonn den Vortritt.

Sein für April vorgesehener Trip an den Rhein ist auf den Frühsommer verschoben worden, damit die Diamond -Mission keinen Schatten auf die königliche Deutschland-Visite werfen kann. Denn der Millionär will Geld.

Schon Labour-Premier Harold Wilson hatte Anfang März seinen Bonner Gastgeber Erhard bedrängt, die westdeutsche Devisenhilfe für England reichlicher fließen zu lassen: »Wir müssen das Problem lösen, so oder so.«

Das jahrealte Problem ist die britische Devisenknappheit, die nach Londoner Lesart nicht zuletzt durch die D-Mark -Ausgaben für die Rheinarmee (jährlich rund 900 Millionen Mark) verursacht wird.

Im März 1962 war das Prinzip vereinbart worden, anstelle deutscher Barzahlungen den Engländern Exportaufträge zu erteilen. Es funktionierte bisher nur einmal reibungslos: Die vom 1. April 1962 bis zum 31. März 1964 vereinbarte Auftragssumme von 1,2 Milliarden Mark konnte erfüllt werden, weil das Bundesverteidigungsministerium eine britische 10,5-Zentimeter-Kanone für den westdeutschen Standardpanzer benötigte.

Im neuen Vertrag, der vom 1. April 1964 bis zum 31. März 1966 läuft, ließ sich Bonns Finanzminister Dahlgrün jedoch nicht wieder auf eine Summe festlegen. Die Bundesregierung sagte lediglich zu, sich »nach besten Kräften« um eine angemessene Devisenhilfe für England bemühen zu wollen.

Bonns beste Kräfte sind begrenzt. Bemühungen, Bundespost und Bundesbahn zu Käufen in England anzuregen, blieben fruchtlos; der Post erschien die Umstellung auf englisches Material zu teuer, und gegen englische Schienen protestierte die Ruhrindustrie.

Privatfirmen kann Bonns federführender Devisenhelfer, Finanz-Ministerialdirektor Dr. Féaux de la Croix, schon gar nicht zwingen, zusätzliche Lieferungen aus England zu beziehen. Dennoch hofft der Dahlgrün-Beamte gerade hier einen Weg entdeckt zu haben, auf dem sich die Wünsche seines Londoner Kollegen Diamond wenigstens zum Teil erfüllen lassen: Er will britische Waren so preiswert machen, daß bundesdeutsche Importeure zum Kauf verlockt werden.

Eine öffentliche Instanz - voraussichtlich die Frankfurter Kreditanstalt für Wiederaufbau - soll jenen Importeuren, die zusätzlich Waren aus Großbritannien einführen wollen, zinsgünstige Kredite geben. Die deutschen Händler bekommen damit einen Vorsprung vor der internationalen Konkurrenz.

Der Fonds, aus dem solche Kredite gewährt werden könnten, existiert bereits seit 1958 bei der Bank von England: 250 Millionen Mark Rest einer deutschen Vorauszahlung für Rüstungskäufe.

Freilich verstößt eine solche Handelssubvention gegen alle einschlägigen Bestimmungen der EWG und des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (Gatt). Féaux resigniert: »Was wir hier tun, ist natürlich Lenkung, aber keiner hat mir bisher sagen können, wie man es anders machen kann.«

Auch sonst nutzen die Bonner Helfer jede noch so abseitige Möglichkeit, Londons Devisenkonto aufzufrischen. Sie erklärten sich beispielsweise bereit, Kredite und Bürgschaften über 100 Millionen Mark zum Bau eines Kraftwerks in Peru beizusteuern, damit außer den Siemens-Schuckert-Werken auch zwei britische Elektrofirmen zum Zuge kommen konnten. Für die Engländer bedeutet das einen Devisenertrag in Höhe von 254 Millionen Mark.

Selbst die künftigen deutsch-israelischen Beziehungen sind schon eingeplant: Ein wesentlicher Teil der vermutlich erweiterten westdeutschen Wirtschaftshilfe für Israel könnte mit britischen Lieferungen bestritten werden.

Deutscher Panzer mit britischer Kanone

Devisen aus dem Rohr

Süddeutsche Zeitung

Salut am Rhein

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