So sachlich - DER SPIEGEL
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GEMEINDEN / MÜNCHEN So sachlich

• aus DER SPIEGEL 50/1967
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Was in bayrischen Dörfern durch ein in die Tür geschnittenes Herz gekennzeichnet wird, heißt in Bayerns Weltstadt mit Herz amtlich »Pissort"*.

Das zu ändern hat ein Mann beschlossen, der als -- so die Lokalpresse -»Mann mit Tatendrang« gilt: der Kommunal- und Grundstücksreferent Werner Veigel, 40. Der Stadtrat will das umgangssprachliche Stück »Lokal-

* Verballhornung des französischen Wortes Pissoir = Bedürfnisanstalt.

kolorit« (Veigel), das an Münchens Herzle-Häusern prangt, entfernen.

Dabei bewegen den zuständigen Veigel weniger sprachästhetische Motive als beispielsweise die Frage: »Wie soll ein Japaner Wissen, was 'Pissort' bedeutet?« Ende Oktober vertraute er sich mit diesem Problem der »Abendzeitung« an, die Veigels Sorge prompt an ihre Leser weiterreichte. Denn, so meditierte Veigel, die anderswo geläufige Bezeichnung »Öffentliche Bedürfnisanstalt« vermöge ein Ausländer auch nicht recht zu erfassen.

Damit wurden, wie sich bald erwies, latente Bedürfnisse geweckt. Bei der »Abendzeitung« wie im Rathaus trafen massenweise Vorschläge ein:

> übliche Chiffren wie »00«, »WC« oder »H« und »D«;

> Anregungen wie »Pinkelwinkel«, Sprenkelecke«, »Mussoleum«, »Steh-hier-Halle«, »Urinarium« sowie »piss up« oder »piss in«;

> ernst gehaltene Hinweise darauf, daß es im Lande der konfessionellen Trennung in den Schulen durchaus angebracht sei, auch die entsprechende Separierung auf dem Örtchen aufzuführen.

Veigel gerührt: »Ein Leitz-Ordner voller Schreiben, buchstäblich aus dem ganzen Bundesgebiet.« Und: »Eigentlich müßte man fast jedem persönlich antworten, so viel Mühe haben sich die Einsender gemacht, so sachlich waren sie.«

Doch die Mühe war umsonst. Der fremden Besucher wegen hat sich Veigel jetzt entschlossen, die Lokus-Türen nicht mit Texten, sondern mit bayrisch-eindeutigen Symbolfiguren zu verzieren: mit Madl'n und Bua'm in Dirndlkleidung und Lederhosen. Veigel: »Bis zu den Olympischen Spielen wird alles erneuert sein.«

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