SOLIDARISCHE SENDUNG - DER SPIEGEL
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Briefe

SOLIDARISCHE SENDUNG
• aus DER SPIEGEL 28/1958
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SOLIDARISCHE SENDUNG

Mit sehr großem Interesse habe ich Ihren Artikel über den Frankfurter Kaufmann Paul Müssig gelesen, und ich beabsichtige, seinem »Bund der Kraftfahrer gegen gesetzwidrig handelnde Polizeibeamte und Behördenvertreter« beizutreten. Da ich selbst beruflich gezwungen bin, die Autobahnen und Landstraßen Deutschlands bei jährlichem Kilometerverschleiß von zirka 80 000 zu befahren, kenne ich die Arbeitsmethoden der Polizei und muß zu meinem Kummer immer wieder feststellen, daß von dem »Freund und Helfer« kaum etwas vorhanden ist. Im Gegenteil: Ich habe langsam den sechsten Sinn bekommen, und zwar dafür, wo diese Herren, mehr oder weniger getarnt, dem Autofahrer auflauern, um ihn bei einer belanglosen Verkehrsübertretung zu knacken bzw. ihn zu einer Übertretung zu »provozieren«.

Düsseldorf ULRICH H. SCHUSTER

Die Aktion hat in gleichgesinnten Fußgängerkreisen folgende »Hobby«-Reaktion ausgelöst: »Gesetzwidrig handelnde Kraftfahrer«, die sich an gekennzeichneten Fußgänger-Überwegen bei Abwesenheit von Polizeibeamten stark fühlen und sich durch eine Handvoll Fußgänger (beinahe hätte ich gesagt: Zivilisten!) nicht davon abhalten lassen, trotz Sperrsignal weiterzufahren, werden ohne Vereinsstatuten lediglich mit einem leistungsfähigen Photoapparat aufgenommen. Es folgt dann die Anzeige (Photo als beweiskräftige Unterlage) und - Bestrafung.

Mannheim - HEINZ SCHLICKER

Die neueste Fortsetzung ihrer Geschichte vom resoluten Autofahrer Müssig: Der Polizistenjäger hat zu den Fahnen gerufen, wie es beiliegende Anzeige aus der »Frankfurter Rundschau« vom 25. Juni 1958 beweist. Nun

sage mir noch einer, in der Bundesrepublik gäbe es keine demokratischen Freiheiten. In Ulbrichts Volkspolizeistaat stände Müssig, der Vereins-Goliath, schon längst vor der Gerichts-Benjamin.

Frankfurt ALFRED ANDERS

Ich fahre seit dreißig Jahren rasant und unfallfrei. Mir ist es auch nicht angenehm, von der Polizei angehalten zu werden. Noch nie habe ich aber erlebt, daß die Polizei nicht sehr korrekt und höflich gewesen wäre. Ich pflege es allerdings auch zu sein. Selbst bei kleinen Versehen, die in einer fremden Stadt mit unbekannten Straßen nicht immer zu vermeiden sind, hat mich die Polizei lediglich sachlich belehrt. Auch mit einem Mercedes 300 sollte man etwas kürzer treten, wenn man mit einem Mannequin an Bord und 1,32 Promille Alkohol mit der Polizei »Hasch mich, ich bin der Frühling« spielt. Allgemein ist es komisch, daß die Leute es immer am eiligsten haben, die am längsten in der Kneipe sitzen.

Waxweiler DR. LUDWIG

Tierarzt

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