SONDERBOTSCHAFTER
Die Demonstrationen in Israel gegen den Altkatholiken Adenauer sind nicht so unberechtigt, wie er sie sieht. Sind doch in seiner Amtszeit alte Nazis zu Amt und Würde wiederauferstanden. Und die Parolen, die eine gewisse Partei herausgibt, lassen heute die Juden ein schreckliches Menetekel wieder heraufbeschWören. Daß Herr Adenauer nicht mit Konfetti und Blumen, aber auch nicht mit Salzsäure und Molotow -Cocktails empfangen wurde, zeugt vom Taktgefühl der Juden,
Frankfurt ADOLF DIAMANT
Die Krawalle in Israel anläßlich des Adenauer-Besuchs sprechen eine berechtigte Sprache. Nur mangelndes Taktgefühl konnte zu dieser Reise führen! Es war vorauszusehen, daß es so kam, und das ist gut so, obschon dadurch die sich anbahnenden Beziehungen, vor allem zwischen der Jugend, erneut überschattet werden. Daß Adenauer ausgerechnet einen Mann namens Globke zu seinem Staatssekretär beriet, ist äußerst verwerflich, geradezu eine Beleidigung für die anständigen und befähigten deutschen Männer, deren es gewiß auch viele gab. Für das jüdische Volk muß man tiefes Mitempfinden haben, weil ihm diese Taktlosigkeit zugemutet wird und es trotzdem mit Deutschland wieder im Gespräch ist. Das zeugt von Seelengröße!
Bad Godesberg E. KEMPER
Wenn ein Mann wie Adenauer, der sein Lebenswerk darin sah, die Versöhnung mit dem jüdischen Volk herbeizuführen, auf so unversöhnlichen Haß seitens des israelischen Volkes und seines Ministerpräsidenten stößt, so ist die Frage berechtigt, was für grundsätzliche Konsequenzen aus solchen Vorfällen zu ziehen sind. Sein Bestreben ging doch wohl weit über die selbstverständliche Wiedergutmachung an den Geschädigten hinaus.
Türkheim (Bayern) GERHARD GRAETZ
Herr Adenauer sollte verstehen, daß die Ermordung von sechs Millionen Juden nicht durch Geld aus der Welt geschafft werden kann. Die trauernd Hinterbliebenen können ebensowenig wie die Ermordeten verzeihen. Nur die Zeit kann ausgleichend wirken. 21 Jahre genügen nicht.
Düsseldorf GEORG G. BENN
Ich bin 24 Jahre alt und kenne die ganze Tragik der Judenverfolgung in Deutschland nur aus Büchern und Zeitschriften. Es ist richtig, wenn Ihr SPIEGEL -Reporter in seinem Artikel die Worte Adenauers anführt, die da lauten: »Schließlich gibt es in Deutschland auch eine Schicht unter 25 Jahren ... den Namen Nationalsozialismus darf man vor dieser Gruppe gar nicht erwähnen.« Auch ich verurteile als Angehöriger dieser Gruppe das damalige Regime und hier vor allem die Judenverfolgung. Ich bin weiter gern bereit, einen Teil meiner gezahlten und noch zu zahlenden Steuern für die Wiedergutmachung seitens der Juden zu opfern. Wenn aber Herr Eschkol in seiner Tischrede äußert, daß die neue Vertrauenswürdigkeit täglich zu beweisen wäre, und auf weitere Beweise und Zeichen wartet, daß das deutsche Volk die schreckliche Last der Vergangenheit erkannt hat, dann meint er hoffentlich nicht damit, daß täglich oder zumindest je nach Bedarf Israels neue Millionenkredite von der Bundesrepublik gewährt werden. Ich finde, das ist allzu materiell gedacht.
Meiner Meinung nach fördern solche Tischreden, wie sie Herr Eschkol geführt hat, nicht gerade die Verständigung zwischen unseren beiden Völkern, und ich frage mich, will Herr Eschkol überhaupt eine Verständigung und Aussöhnung oder nur Millionenkredite?
Tönningstedt (Schlesw.-Holst.)
ERNST BRAMMER
Adenauer hatte vollkommen recht, als er den Israelis unter die Nase rieb, daß nicht nur Juden unter Hitlers Tyrannei zu leiden hatten. Als ich 1936 als politischer Häftling im KZ Dachau war, waren dort ungefähr 1800 Deutsche interniert, davon knapp 100 Juden! Das sagt wohl genug.
Ludwigshafen HUGO KOTULLA
Dr. Adenauer dürfte über Eschkols Worte nicht verärgert sein, hätte er versucht, die verhaßten »Pinscher« und viele andere Deutschen zu verstehen, darunter Karl Jaspers Warnungen vor gefährlichen Tendenzen in Deutschland; NPD und Notstandsgesetzgebung wirken in anderen Ländern auch nicht besonders vorteilhaft für die Bundesrepublik. Eschkol hat viel weniger gesagt, vielleicht sollte er nicht so aufrichtig sein.
Daß die Israelis den Vergleich zwischen systematischer Ausrottung eines Drittels ihres Volkes durch die Deutschen, die in überwiegender Mehrheit Hitler unterstützten, und den durch Deutschlands Greueltaten umgekommenen Deutschen nicht akzeptieren, dürfte doch nicht verwunderlich sein, eher, daß Adenauer versucht, Unvergleichbares zu vergleichen. Kein Nicht-Deutscher wird solchen Vergleich akzeptieren.
Tel Aviv DAVID ATZMON