CHINA Sonne oder Trapez
Sogar auf die Architektur wirkt sich das schwierige Verhältnis zwischen Japan und China aus, wie sich am »Shanghai Weltfinanz-Zentrum« zeigt, das derzeit in Pudong, dem Finanzbezirk der ostchinesischen Metropole, entsteht. Der Büroturm wird von einer japanischen Firma errichtet. Mit 492 Metern soll er eines der höchsten Gebäude der Welt werden. Der amerikanische Architekt William Pedersen wollte es ursprünglich mit einer riesigen kreisförmigen Öffnung in der Spitze verzieren, als Sinnbild für ein »Mondtor«; vor allem aber dient das Loch dazu, die Stabilität des Wolkenkratzers zu verbessern. Doch die Chinesen interpretierten den Kreis als aufgehende Sonne, das Nationalsymbol Japans - eine unerträgliche Assoziation, denn im Zweiten Weltkrieg und davor hatten japanische Invasionstruppen Millionen Chinesen umgebracht. Um dem Dilemma zu entfliehen, schlugen die Architekten zunächst vor, den Kreis durch eine Querverbindung zu teilen. Das reichte den Shanghaiern nicht aus. Nun wird es eine trapezförmige Himmelspforte geben.