SOWJET-NOTE - DER SPIEGEL
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Briefe

SOWJET-NOTE
• aus DER SPIEGEL 13/1952
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SOWJET-NOTE

(Nr. 12/52, Ausland)

Daß die Bundesregierung auf die jüngste sowjetische Note nicht mit Freudengeheul eingegangen ist, sondern, obwohl nur indirekt angesprochen, den geringsten Willen zur Verhandlungsbereitschaft zeigte, kann man verstehen, wenn auch nicht gutheißen. Sie fällt und steht mit der amerikanischen Europa-Politik und diese wiederum fällt und steht mit der Annahme oder Nichtannahme des russischen Vorschlages. Unangenehmer sind die Kommentare vieler Zeitungen, die den Russen von vornherein böse Absichten unterschieben.

Was ist denn schon passiert? Die Russen haben einen Vorschlag gemacht, der den deutschen Interessen sehr nahe kommt. Ob es ihnen wirklich damit ernst ist, kann erst auf einer Konferenz bewiesen werden.

Sicher sind die Sowjets nicht plötzlich zahm geworden und ihre Diplomatie geht wie jede Diplomatie auf den eigenen Nutzen aus. Aber man sollte doch versuchen, ebenfalls mit diplomatischen Mitteln das Beste aus der russischen Verhandlungsbereitwilligkeit herauszuholen. Mag der sowjetische Vorschlag auch ein Zeichen von Schwäche und, so kurios es klingt, ein Erfolg der organisierten Westverteidigung sein, das Pochen auf die eigene Stärke ist in jedem Falle lächerlich und beweist nichts anderes, als daß wenigstens die Adenauer-Regierung zu einer gewandten Diplomatie nicht fähig ist.

Berlin

Eberhard Eicke

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