Späte Akteneinsicht - DER SPIEGEL
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ZEITGESCHICHTE Späte Akteneinsicht

• aus DER SPIEGEL 1/2000
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Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes wird in den nächsten Jahren das Schicksal von mehreren zehntausend Deutschen klären können, die im Zweiten Weltkrieg oder in den Jahren danach verschollen sind. Rumänien, Lettland, Kasachstan, die Ukraine und Russland haben für Nachforschungen ihre Archive geöffnet. Allein in Russland liegen in 75 Regionalarchiven Akten über deutsche Kriegsgefangene und Zivilisten.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB stellte im vorigen Jahr Daten über 80 000 Deutsche zur Verfügung; in diesem Jahr sollen Informationen über weitere 120 000 Menschen folgen. Die meisten von ihnen waren einst Stalins Geheimpolizisten in der sowjetischen Besatzungszone in die Hände gefallen. Die gewonnenen Daten sollen mit der Zentralen Namenskartei des Suchdienstes in München abgeglichen werden, die Einträge über 24 Millionen Menschen enthält.

Das Rote Kreuz hatte im April 1945 damit begonnen, deutsche Flüchtlingstrecks zu erfassen. Es befragte systematisch Kriegsgefangene nach dem Schicksal ihrer Mithäftlinge und anderer Soldaten; 1957 begann der Suchdienst, mit Geldern der Bundesregierung über 200 Bände mit Fotos der Verschollenen zu erstellen. Auf Plakaten forderten Mitarbeiter des Roten Kreuzes ehemalige Soldaten auf, bei der Recherche zu helfen. Sechs Millionen Heimkehrer wurden bis Anfang der siebziger Jahre befragt. Heute werden noch knapp 1,4 Millionen Menschen vermisst; drei Viertel von ihnen sind wahrscheinlich im Krieg oder in Gefangenschaft gestorben.

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