ZEITGESCHICHTE Späte Botschaft
In Polen ist ein Testament des ehemaligen ostpreußischen Gauleiters Erich Koch aufgetaucht. Das Warschauer Nachrichtenmagazin »Wprost« spürte in Barczewo (früher Wartenburg) einen »privaten Sammler« auf, in dessen Besitz sich nicht nur Kochs Testament, sondern auch Notizen und Briefe des einstigen Hitler-Satrapen befinden sollen. Koch wurde 1928 zum Gauleiter von Ostpreußen ernannt, war später Reichskommissar für die Ukraine und hielt nach 1941 in seinem Machtbereich viele der in Russland und Polen gestohlenen Kunstschätze versteckt. Bei Kriegsende floh er aus dem belagerten Königsberg, wurde vier Jahre später nahe Hamburg aufgespürt, an Polen ausgeliefert und wegen direkter Verantwortung für den Mord an 400 000 Polen und polnischen Juden 1959 zum Tode verurteilt. Vollstreckt wurde das Urteil nie, Koch starb als 90-Jähriger 1986 in Barczewo friedlich im Gefängnisbett - die polnische Führung hatte gehofft, sie werde dem Ex-Gauleiter entlocken können, wohin die geraubten Kunstschätze gelangt seien. Mit gelegentlichen Andeutungen zum Beispiel über den Verbleib des Bernsteinzimmers hatte Koch diese Erwartungen genährt. Das jetzt aufgetauchte Testament stammt aus dem Jahr 1967, der an Blasenkrebs leidende Koch schrieb es kurz vor einem Eingriff ("Dieses letzte Lebenszeichen von mir wird nur dann abgehen, wenn ich die morgen um 3 Uhr stattfindende Operation nicht überlebe ..."). Aus dem Papier geht hervor, dass Koch zwei Landgüter in den Dörfern Krasne und Nacpolsk besaß, die bislang bei der Suche nach Kunstschätzen nicht berücksichtigt wurden. Weitere Einzelheiten will der »Sammler«, bei dem es sich um einen früheren Gefängniswärter handeln könnte, nicht preisgeben - er hofft, Kochs Papiere nach Deutschland verkaufen zu können.