KIRCHEN Späte Reue
Bis in die siebziger Jahre waren Kinder in kirchlichen Erziehungsheimen fragwürdigen Methoden ausgesetzt - jetzt stellen sich die Kirchen diesem Thema. »Wenn dieses Unrecht nicht beim Namen genannt wird, dann wird die Würde der betroffenen Menschen heute genauso verletzt wie damals«, sagt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber. Er hat das Diakonische Werk aufgefordert, Archive zu öffnen und die Aufarbeitung voranzutreiben. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, spricht inzwischen von »falsch verstandener Pädagogik«. Er befürwortet »die Aufarbeitung der Geschehnisse«, obwohl nicht alle Heime unter Generalverdacht stünden. Unter Erklärungsdruck gerieten die Kirchen durch den Vorstoß des hessischen Landeswohlfahrtsverbands, der sich bei jenen, die alltäglich »physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt waren«, entschuldigt hat. Ihr Leid bleibe verbunden mit »Holzpritschen ohne Matratzen, mit Strafbunkern, Besinnungsräumen, Arbeitszwang, Schlägen, Demütigung«. In Hessen sollen eine Forschungs- und Beratungsstelle und ein Museum zur »Geschichte der Heimerziehung« eingerichtet werden. Der Bundestag plant mit Unterstützung der SPD-Abgeordneten Marlene Rupprecht und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse eine Anhörung ehemaliger Heimkinder.