SPECTRUM Ostereier als Kult- und Konsum-Objekte
Formvollendete mineralische Gebilde, aus denen wundersam neues Leben hervorbricht: Seit je sind Eier Gegenstand von Mythen gewesen. Die Spanne vom Sinnbild der Schöpfung und Auferstehung, vom Fruchtbarkeitskult und Liebeszeichen bis zum sinnentleerten Schöner-wohnen-Dekor und Konsumartikel der Zuckerzeug-Industrie veranschaulicht jetzt das Hamburger Museum für Völkerkunde -- in einer Ausstellung von 1000 Ostereiern, aus aller Welt zusammengetragen von der Privatsammlerin Maud Pohlmeyer. Noch immer werden Eier zu Ostern, vor allem in katholischen und orthodoxen Gegenden, nach altüberlieferten Motiven kunstvoll verziert, mit Brautwerbesprüchen beschrieben wie im Hessischen, in Batik-Technik bemalt wie von den Sorben oder zur Ikone gestaltet wie in Rußland. Unter den vielfältigen ornamentalen Oberflächen, erinnert Volkskundler Dr. Rüdiger Vossen, sei eine allem Brauchtum gemeinsame Symbolik zu finden: »seelische Nahrung« -- im Osterei also »auf gut hamburgisch« gleichsam »Christus als das Gelbe vom Ei«.