SPEIDEL
Auf Ihr Opus über den smarten Strategen mit der »geschmeidigen Enthaltsamkeit« habe ich mir nochmals sein Buch zu Gemüte geführt, das er unter dem Titel »Invasion 1944« vor sieben Jahren im Rainer Wunderlich-Verlag, Tübingen, herausgab. Herrliche Lektüre! Das muß man lesen, wie diese Helden alle schweigend beim »Staatsbegräbnis« um den Sarg des laut »Führerbefehl« vergifteten Generalfeldmarschalls Rommel herumstehen und Herr von Rundstedt seine Rede mit den verlogenen Worten beschließt »Sein Herz gehörte dem Führer« (Seite 180). Dabei wußten sie alle Bescheid, und alle schwiegen. Geschmeidig und enthaltsam schwieg vor allem Herr Dr. Speidel, der Rommels Stabschef gewesen war ...
Recklinghausen KARL SCHULZ-WITHÖFT
Früher starben die Soldaten, um die hinter der Verteidigungslinie befindliche Zivilbevölkerung vor dem Tod zu schützen - heute muß die Zivilbevölkerung sterben, weil sich in ihrem Gebiet eine Anzahl von mit allen Schutzmitteln ausgerüsteten Soldaten aufhält. Die Gefahr, daß der ohnehin nicht sehr rücksichtsvolle deutsche Berufsmilitär das vorwiegende deutsche Volksinteresse außer acht läßt, zugunsten von Erwägungen einer anderswo geplanten Strategie, denen er sich mit schon mehrfach bewiesener mangelnder Zivilcourage unterordnet, scheint aufmerksamster Beobachtung wert zu sein.
Heidelberg-Schlierbach HERMANN SPEER
»Lieb' Vaterland, magst ruhig sein, ich werde 'smart' wie Speidel sein!«
Essen-Werden J. HAHN
Generaloberst Beck ist tot. Lebte er noch, dann würde er im Hinblick auf die augenblickliche Tätigkeit des großen Philosophen Speidel das Wort vom »messerscharfen Verstand« längst zurückgenommen haben. Wer im Zeichen der H-Bomben-Druckknopfstrategie Massenheere aufstellt, ist nicht mehr normal, es sei denn, er spekuliere mit der Möglichkeit, unter großzügiger Duldung der beiden großen Machtkomplexe einen frischfröhlichen Krieg Deutscher gegen Deutsche mit den herkömmlichen Waffen zu führen; dann aber gehört er umgehend ins Zuchthaus.
Hagen JOHANNES RAEDER
Bei der Furcht vor dem Einsatz von Atomwaffen könnte das Ergebnis der Gutachter -Generale, die ein Wehrpflichtheer fordern, als anachronistisch angesehen werden, wenn nicht in letzter Zeit selbst fortschrittlich denkende Militärs sich gegen die Minderbewertung der herkömmlichen Streitkräfte ausgesprochen hätten, So führte kürzlich der bekannte französische Militärkritiker F. O. Miksche aus: »Auf dem Gebiete der Machtpolitik sind Atomwaffen kaum das zweckdienlichste Mittel eines sorgfältig berechneten diplomatischen Druckes. Heute liegt die einzige Rechtfertigung ihres Vorhandenseins nur noch darin, daß sie einen Gegner von dieser Art selbstmörderischer Kriegführung abschrecken. Je stärker eine Macht an herkömmlichen Waffen ist, um so kleiner die Wahrscheinlichkeit, leichten Herzens zum Einsatz von Atomwaffen überzugehen. Oder umgekehrt: Je schwächer die herkömmlichen Mittel einer Macht, um so größer die Gefahr, daß das ungeheure Risiko eines Atomluftkrieges unvermeidlich wird. Eine Macht, die nicht über herkömmliche Streitkräfte in ausreichender
Stärke verfügt, kann leicht in das Dilemma geraten, entweder die großen Bomben anzuwenden oder auf Widerstand mit anderen Mitteln verzichten zu müssen - sie ist also, praktisch gesprochen, ohne wirklichen Verteidigungsschutz ...«
Göttingen REINHARD RÖGER
DIE MEISTEN WEHRUNTERSUCHUNGEN, EBENSO IHRE, ÜBERSEHEN KERNPROBLEM. TUN SO, ALS OB DEUTSCHLAND ATLANTISCHE GROSSMACHT. GLOBALKRIEG MIT ATOMEINSATZ UNWAHRSCHEINLICH, SOLANGE GLEICHGEWICHT. ABER KRIEG DURCH STELLVERTRETER WIE KOREA, VIETNAM USW. MÖGLICH. ERSTE AUFGABE DER BUNDESWEHR NACH MÖGLICHEM BESATZUNGSABZUG: VERHÜTUNG FRIEDLICHER ÜBERNAHME ODER EINES STELLVERTRETER-KRIEGS GEGEN VOLKSPOLIZEI, VOLKSARMEE ODER NACH WIEDERVEREINIGUNG SATELLITENNACHBARN. BEI FAIT ACCOMPLI WESTHILFE UNWAHRSCHEINLICH, DAHER MUSS EIGENSTÄRKE WIDERSTANDSERFOLG GEWÄHRLEISTEN, DANN WESTHILFE WAHRSCHEINLICH, DAMIT AUCH GLOBALER ATOMKRIEG. DA DIESER ALLSEITIG UNERWÜNSCHT, UNTERBLEIBT FOLGLICH EINDRINGEN. FÜR ABSCHRECKUNGSAUFGABE STÄRKE UND FÄHIGKEIT ATOMLOS KONVENTIONELL ZU KÄMPFEN ERFORDERLICH, DAHER WEHRPFLICHT.
Ankara MICHAEL THOMAS
So tugendrein, wie von Ihnen geschildert, scheint mir die militärische Vergangenheit des wendigen Generals nicht zu sein. Verantwortlich für die militärischen Vorgänge in Paris im August 1944 unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner und der französischen Franc-Tireurs waren Speidel und als Ortskommandant Stülpnagel. Die vernünftige Auffassung von General-Feldmarschall Kluge - sofort an der haltlos gewordenen Invasionsfront zu kapitulieren - setzte sich nicht durch.
Die Seine-Brücken wurden von den Deutschen beim Anmarsch des Feindes völlig sinnlos gesprengt, ebenso sinnlos viele Fabriken, wodurch Zehntausende von Franzosen sich ihrer Arbeitsstätten beraubt sahen. Sinnlos, weil man in Anbetracht der völligen militärischen Niederlage wirklich nicht mehr von einem Sinn sprechen konnte.
Mit einer sinnvollen militärischen Haltung der deutschen Führung in Frankreich und in Paris insbesondere wäre es nie dazu gekommen, daß nach der deutschen Niederlage in Paris eine Weile der Mob tonangebend wurde.
Mitschuldig ist auf jeden Fall die deutsche militärische Führung in Frankreich in der letzten Zeit vor dem Zusammenbruch. Aber Herrn General Speidel schien es ja vorwiegend, wenn nicht gar ausschließlich, darauf anzukommen, sich durch jede militärische Situation für seine eigene Person mit Eleganz und Pfiffigkeit hindurchzuschlängeln.
Es wäre für Herrn Generalleutnant Speidel, Inspekteur der Bundeswehr, lohnend, dazu Stellung zu nehmen. Es läge auch in seinem eigensten Interesse.
München DR. JUR. HANS-RICHARD BRIEGER
Rechtsanwalt
Die ganze westdeutsche Bevölkerung muß Ihnen Dank zollen für Ihre umfassende Aufklärung, wie die Herren Generale der Bundeswehr ihre Kriegspläne schmieden und sich dabei »als für den Schutz der Bevölkerung nicht zuständig« erklären. Es ist unsere Pflicht und ein Befehl des Gewissens, unsere Söhne vor einer solchen Bundeswehr und deren Führung zu bewahren.
Frankfurt ERICH WERNER
Noch einen solchen »General«, noch einen solchen »Ritter ohne Furcht und Tadel« - und ich bestelle den SPIEGEL endgültig ab!
Bonn HERBERT HOYER
Ihren Bericht über Herrn Speidel in Nummer 27 sollte jeder Rekrut der neuen Bundeswehr lesen.
Osnabrück WILLY CORDES
Es ist unerträglich, die vom SPIEGEL veröffentlichten Photos zu betrachten, wo Speidel mit Montgomery und dem Franzosen Barbier gezeigt wird. Warum ist der Mann nicht Empfangschef in Travemünde geworden?
Essen HEINZ KAHLERT
Ist es eigentlich nicht deshalb in der Welt insgesamt so trübe, weil wir seit Jahrzehnten nur von schmiegsamen Anpassern und Lobisten regiert oder, richtiger, bewirtschaftet und verwaltet werden?
Wiesbaden W. WESTERMANN
Speidel