Splitter
In Ihrer Serie über den Kaffeeschmuggel und besonders in Ihrer Berichterstattung über die Möhlstraße stellen Sie die Verhältnisse auf den Kopf. Sie sehen den Splitter im Auge des jüdischen, aber nicht den Balken im Auge des deutschen Volkes. Fritz Kortner, der sich zur Zeit in Bad Gastein erholt, drückte das nach einem Besuch in der Möhlstraße sehr deutlich aus. Er hatte den Eindruck, die Münchner führten ihre fremden Besucher durch die Möhlstraße, um ihnen diskret die Gründe zu ihrem Antisemitismus zu demonstrieren. Darum sagte er, als man ihm die Möhlstraße gezeigt hatte, abschließend: »Lassen Sie uns bitte unsere Schleichhändler - und behalten Sie Ihre Mörder.«
Die »Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland« Nr. 19 vom 18. 8. 50 zitierte dieses Wort des großen Schauspielers, das auch Ihnen zu denken geben sollte.
Hamburg
J. MICHELSON