SPRINGERLE
In dem SPIEGEL-Heft Nr. 18 ist der Artikel »Kopf um Kopf«, der sich mit Veränderungen im württembergischen Heimatpressewesen befaßt, veröffentlicht. Wir haben leider Anlaß zu der Feststellung, daß durch diesen Bericht der Eindruck erweckt wurde, als ob die unterzeichneten Verleger ihre Zeitungen verkauft hätten. Dies trifft nicht zu. Ein Verkauf der »Leonberger Kreiszeitung«, der »Sindelfinger Zeitung«, des »Gäuboten« Herrenberg, der »Kornwestheimer Zeitung«, der »Winnender Zeitung«, des »Boten vom Welzheimer Wald« und des »Kocherboten« Gaildorf ist weder erfolgt noch beabsichtigt. Die genannten Zeitungen werden nach wie vor von rechtlich und wirtschaftlich selbständigen und selbständig bleibenden Verlegern herausgegeben; sie sind lediglich mit der »NWZ« (Neue Württembergische Zeitung) eine redaktionelle Zusammenarbeit und eine Anzeigengemeinschaft für überlokale Anzeigen eingegangen. Die Bearbeitung des lokalen Teils und der lokalen Anzeigen sowie - mit einer Ausnahme - der Druck und Vertrieb verbleiben bei den einzelnen Verlagen.
Diese Maßnahme erfolgte, weil die Zentralredaktion Süddeutscher Heimatzeitungen in Stuttgart-Zuffenhausen, der die obenerwähnten Zeitungen, mit einer Ausnahme, bisher angeschlossen waren, mit Wirkung ab 30. Juni aufgelöst wird.
LEONBERGER KREISZEITUNG, SINDELFINGER ZEITUNG, GÄUBOTE, KORNWESTHEIMER ZEITUNG, BOTE VOM WELZHEIMER WALD,
DER KOCHERBOTE
Hat's nicht bei Hugenberg zunächst auch nur mit ganz harmlosen Maternlieferungsverträgen angefangen?
Berlin JOSEF VOGT
Mag die neue Konstellation in Teilen der schwäbischen Heimatpresse zunächst auch ausschließlich Sache der Familie Bosch sein - im Falle künftiger Metallarbeiter-Streiks und anschließender Aussperrungen in der baden-württembergischen Metallindustrie wird sich die Möglichkeit, streikende Ausgesperrte schon zum Frühstück mit Bosch-gezündeter Meinungsmache versorgen zu können, fraglos auch für die Firma Bosch als vorteilhaft erweisen.
Reutlingen EWALD MECKE
Die Behauptung, wonach die »NWZ«, wie Du Dich ausdrückst, »außerdem schon sechs Kopfblätter hat«, trifft nicht zu. Die »NWZ« hat laut IVW-Auflagemeldung vom 25. Januar 1964 vier eigene Ausgaben ("Göppinger Kreisnachrichten«, »Geislinger Fünftälerbote«, »Schorndorfer Nachrichten«, »Heidenheimer Neue Presse"). Verlag dieser vier Zeitungen ist die Zeitungsverlags- und Druckhaus GmbH in Göppingen.
Die fünfte genannte Zeitung, nämlich die von mir herausgegebene »Fellbacher Zeitung«, steht im selbständigen Verlag der Verlagsdruckerei Conradi & Co. in Fellbach. Die »Fellbacher Zeitung« ist also kein Kopfblatt der Göppinger NWZ. Sie ist auch noch nie ein Kopfblatt gewesen. Ich bin vielmehr schon am 27. Mai 1952 mit Herrn Dr. Fritz Harzendorf, dem damaligen Geschäftsführer und Verleger der NWZ, über eine redaktionelle Arbeitsgemeinschaft übereingekommen, die einen gemeinsamen Anzeigenteil einschließt, mit Ausnahme des lokalen Bereichs von Fellbach und Umgebung sowie von Groß-Stuttgart. Mit dieser Arbeitsgemeinschaft war nicht eine einzige finanzielle Bindung verknüpft. Auch heute noch ist der Verlag völlig selbständig.
Fellbach (Württ.) HANS H. FELDHOFF
Herausgeber der »Fellbacher Zeitung«
Jetzt verstehe ich erst, warum die »Leonberger Kreiszeitung« am 29. Februar schrieb, in Gerlingen (Kreis Leonberg) seien zur Ansiedlung des neuen Bosch -Hauptsitzes und für einen baldigen Baubeginn »alle Voraussetzungen ... gegeben«. Natürlich: Gerlingen kann ja demnächst sogar mit einer »Leonberger Kreiszeitung« aufwarten, die bis auf den lokalen Teil mit der Bosch-kontrollierten »NWZ« in Göppingen identisch ist.
Stuttgart ANNELIESE RITTER
Ihr Bericht erweckt den Eindruck einer gezielten Attacke gegen die Firma Bosch durch mich. Die Befürchtung, daß die Konzentration von Zeitungsunternehmungen - auch in Südwestdeutschland - schlimme Folgen für die Pressefreiheit haben könnte, ist im Zusammenhang mit einer Dankadresse an Ministerpräsident Kiesinger bei einem Empfang für den Landesvorstand des Südwestdeutschen Journalistenverbandes und des Presseverbandes Baden in einer kurzen Betrachtung der neuen Situation nach der Verabschiedung des baden-württembergischen Pressegesetzes ausgesprochen worden. Ich bin nach wie vor der Ansicht, daß jede Konzentrationsbewegung in der Presse verderblich sei, wenn sie vielleicht auch hie und da wirtschaftlich unumgänglich sein mag. Meine kritische Betrachtung war ganz allgemein gehalten. Es wurde deshalb auch kein Name genannt.
Stuttgart HEINZ SCHLEGEL
Vorsitzender des Südwestdeutschen Journalistenverbandes
Wie der Vorkriegs -Pressezar Hugenberg und der Nachkriegs -Zeitungskönig Springer muß auch Elektrofabrikant Bosch bei seinen Bemühungen, ins Pressegeschäft einzusteigen, klein anfangen. Wie geschickt und elegant er dabei vorgeht, ersieht man daraus, daß er zunächst die Majorität einer mittleren Zeitung erwarb und nun kleine Heimatzeitungen mit Maternseiten beliefert.
Köln HUBERT THIELEN
Rechnet man die Auflage der »Stuttgarter Zeitung« und die Gesamtauflage der »NWZ«-Gruppe zusammen, so zeigt sich, daß im mittelwürttembergischen Raum das »Springerle« in der Meinungsarena ganz schön Galopp laufen kann, wenn es die industriellen Interessen gebieten.
Stuttgart HANS JÜRGEN BUSCH
Bosch