§ 218 - DER SPIEGEL
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Briefe

§ 218
• aus DER SPIEGEL 13/1951
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§ 218

(Nr. 9/51, Deutschland)

Abtreibung und Tötung von neugeborenen Kindern ist eine uralte Praxis vieler Völker, um durch Bevölkerungszunahme entstehende wirtschaftliche Nachteile für alle - speziell Nahrungsverknappung - zu verhindern. In Europa war Kindestötung, z. B. im alten Griechenland, bis ins späte Mittelalter hinein Brauch, in Asien - speziell in China und Indien - auch in der Gegenwart.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten nach dem ersten Weltkrieg ließen in Deutschland die Zahl der Abtreibungen stark anschwellen. Prof. Warren Thompson schreibt in seinem Werk »Population Problems, 1942, New York«, daß vor 1933 in Berlin die Zahl der Abtreibungen denen der Geburten gleichkam. Christof Tietze (in »German Population Movements and some Comparisons with those of other Countries' Eugenics, 1930") berichtet über jährlich 600 000 bis 800 000 Abtreibungen in Deutschland und D. V. Glass (in »Population Policies and Movements in Europa, Oxford, 1940") schätzte sie auf rund eine Million jährlich - vor dem Dritten Reich. Thompson berechnete in dem vorerwähnten Werk, daß in den meisten zivilisierten Staaten 15 bis 18 Prozent aller Schwangerschaften durch Abtreibung beseitigt werden, daß dieser Prozentsatz in den Städten höher und in ländlichen Gegenden geringer ist.

Als erstes (halbwegs) zivilisiertes Land hat Japan 1949 einen Rat für Bevölkerungsfragen geschaffen, nachdem es früher genau so wie das Dritte Reich die Propagierung empfängnisverhütender Mittel und Abtreibung schwer bestrafte (America Sociological Revue 1950). Auf Grund von Empfehlungen des Rates und des neugeschaffenen Instituts für Bevölkerungsfragen wurde die Anwendung von empfängnisverhütenden Mitteln von der Regierung propagiert und erleichtert sowie die Abtreibung durch Errichtung von entsprechenden Kliniken gefördert, um dadurch die erdrückenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden, da der zweite Ausweg - Eroberungskrieg - nicht mehr gegangen werden soll und der dritte Ausweg - Massenauswanderung - zur Zeit noch nicht möglich ist.

Beverungen

Dr. Alfred M. Franzke Bund für Deutsche Auswanderung

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