SS
(Nr. 42-53/1966, Serie)
Gewisse Leute, die sich völlig unsachlich über Ihren SS-Bericht auf regen, mögen weiter ihren alten Klischeevorstellungen lauthals nachschreien. Wir als junge Generation sollten dem SPIEGEL dankbar sein für den Versuch, eine objektive Darstellung des Phänomens SS im NS-Staat zu geben! Heute wissen diese Leute es besser, damals haben sie von nichts gewußt (anstatt damals sich lauthals aufzuregen)!
Freiburg PETER SIEFKEN
Für die Bereicherung meiner Geschichtskenntnisse durch Ihre ausgezeichnete Serie darf ich Ihrem Redakteur Heinz Höhne recht herzlich danken.
Walldorf (Hessen) MANFRED PIOCH
Mit dieser Serie ist es Ihrem Herrn Höhne wirklich gelungen, eine Lücke in der Nachkriegsliteratur zu schließen, die scheinbar von vielen Autoren wegen ihres delikaten Charakters nicht angefaßt wurde.
Was mich jedoch am meisten ärgert, ist die kleinbürgerliche Denkweise einiger Landsleute, besonders in der Bundesrepublik, die dann entrüstet kritisieren: »Hiermit verzichte ich auf jede weitere Lieferung Ihrer Zeitschrift.«
Es liegt doch nun einmal auf der Hand, daß die SS eine Erscheinung des Dritten Reiches war, und geschichtliche beziehungsweise politische Tatsachen, auch wenn sie nicht dem Ansehen des deutschen Volkes zum Ruhme gereichen, lassen sich mit so einer dummen Antwort nicht aus der Welt schaffen. Vielmehr sollte jeder Deutsche diese und auch jede weitere Artikelserle über das braune tausendjährige Reich zur Kenntnis nehmen, damit uns eine Wiederholung der Jahre 1933 bis 1945 erspart bleibt.
Bogota (Kolumbien) HANS J. DEZER
Wenn der SPIEGEL die SS-Serie und ähnliches bringt, so wird er seine Gründe dafür haben, um die ich nicht rechten will. (Ich persönlich bin allerdings eher dafür, alles, was mit dem tausendjährigen Reich zu tun hat, totzuschweigen.)
Wenn aber schon solche Diskussionsbeiträge, warum aber dann diese verherrlichenden Photos zeigen? Ich jedenfalls geniere mich, auf meiner täglichen Bahnfahrt zur Arbeit die entsprechenden Seiten im SPIEGEL aufzuschlagen, weil ich schon mehr als einmal mißtrauisch betrachtet worden bin von Mitreisenden, die einen Blick in meine Lektüre warfen und die Nazibilder sahen. Sie werden doch sicherlich auch nicht die noch nicht ausgestorbenen Nazis mit erstklassigen Photos ihrer ehemaligen Größen versorgen wollen?! Ich vermute, daß es noch genug Leute gibt, die sich die Bilder ausschneiden und an die Wand hängen. Die Ratten werden schon wieder ganz schön frech, unterstützen nicht auch Sie sie noch.
Park Forest (USA) ERICH LUEDTKE
Zu Ihrer Folge über die Vorgänge im besetzten Polen während des Zweiten Weltkriegs meinen herzlichsten Glückwunsch und Hochachtung. Das nennt man Zivilcourage! Wer den Wind sät, erntet den Sturm -- in der Form der Massenvertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße und der fortgesetzten Teilung Deutschlands, deren Ende das Tun und Treiben der NPD noch weiter hinauszuschieben droht.
London KURT OPPEN
Jeder, der etwas mit -- der SS zu tun hatte, staunt über die Artikelserie und die Verharmlosung dieser Verbrecher-Organisation. Beiliegendes »Vorgeschriebenes Formblatt KL/46 der Reichsführung SS« sagt mehr aus, als die schönsten Partei-Intrigen der NS-Bonzen.
Es wäre sicher interessant zu erfahren, wer von den »Führern« die Einrichtung der »SS-Bordelle« angeordnet hat und die Eintrittsgelder vereinnahmte. Im Konzentrationslager Buchenwald hatte die SS-Führung ein solches Bordell eingerichtet. Die Einnahmen dieser SS-Institution wurden in -- Buchenwald für das SS-Führerheim und die SS-Führerkantine verwandt. Wahrlich eine großartige Finanzierung für das Wohl der SS-Offiziere. Daß die verhafteten reichen Juden ebenfalls ihr Scherflein zur besseren Lebensführung der SS-Offiziere beitragen mußten, das sei nur am Rande vermerkt.
Ratingen (Nordrh.-Westf.) JOSEF SCHAPPE
Darf ich zur dritten Fortsetzung Ihrer Serie »Der Orden unter dem Totenkopf« eine persönliche Erinnerung beisteuern. Ich war um 22. Juni 1934 Ton der Gestapo wegen Verbreitung der Papen-Rede vom 17. Juni verhaftet und nach einwöchigem Aufenthalt im Columbia-Haus ausgerechnet am 30. Juni in das KZ Oranienburg eingeliefert worden (übrigens mit Nummer 2873 der letzte Häftling vor der 14 Tage später erfolgten Auflösung). Oranienburg war damals das einzige KZ unter SA-Leitung. An jenem Samstagmorgen befanden sich mehrere: Gewehrpyramiden auf dem Hof, die Stimmung war geladen, aber noch in derselben Nacht wurden die Gewehre beseitigt: Die Probe des Aufstands war schon zu Ende, ehe sie begonnen hatte.
Am 7. Juli wurde das Lager von der SS übernommen; an der Spitze der SS-Mannschaft stand der in Ihrem Bericht genannte Dachauer KZ-Kommandant Theodor Eicke. Mit ihm kam auch Sepp Dietrich. Dieser kam am nächsten Tag in den Aufenthaltsraum der Häftlinge, setzte sich unter uns und erzählte in allen grausigen Einzelheiten (die im wesentlichen mit Ihrem Bericht übereinstimmen), wie er persönlich Röhm getötet und ihm den Gnadenschuß versetzt hat (also nicht Lippert, wie Sie schreiben). Es war eine gespenstige Szene, wie ein SS-Mörder vor »Untermenschen« sich der Untat an einem SA-Führer brüstete.
Eicke übrigens war es dann, der die Ermordung Erich Mühsams auf dem Gewissen hatte. Er ließ am 9. Juli den schon durch sein bisheriges KZ-Martyrium schwer mitgenommenen Schriftsteller zu sich kommen und sagte dem Schwerhörigen (zweimal, damit er es auch ja mitbekomme): »Wann's di net in den nächsten 24 Stunden umbringst, besorg'n mir das für dich.« Mühsam berichtete uns dies; die Mörder warteten nicht einmal 24 Stunden, sondern brachten ihn in der darauffolgenden Nacht um, hielten es aber für geboten, einen Selbstmord vorzutäuschen, wobei ihnen- beim Aufknüpfen Mühsams einige Kunstfehler unterliefen, wie ich als einer der »Freiwilligen zum Abschneiden« feststellen konnte.
Am 14. Juli 1934 wurde Oranienburg aufgelöst; etwa 200 verbliebene Gefangene wurden in Lastwagen ins KZ Lichtenburg bei Torgau gebracht. Dort »trafen« wir die »Herrenklub«-Kum-Panel und ebenfalls inzwischen verhaftete SA-Führer (der prominenteste war Manfred von Killinger). Unter den Häftlingen befand sich auch der damalige Oberbürgermeister von Waldenburg/Schlesien (sein Name ist mir entfallen), der erzählte, er sei 1933 als SA-Spitzel in die SS geschickt worden, worauf er seine jetzige Verhaftung zurückführe. Sobald seine Familie Kontakt zu Göring hergestellt habe, würde er bestimmt wieder freigelassen werden. In der Tat hörte ich nach meiner eigenen Freilassung, daß er ein paar Wochen später auf seinen alten Posten zurückgekehrt sei; er wäre vorübergehend ins Preußische Innenministerium zu wichtigen Arbeiten abkommandiert gewesen, hieß es. Ich vermute, er wird seinen kahlgeschorenen Kopf mit einer Perücke bedeckt haben!
Wer die Ereignisse des 30. Juni aus der Perspektive des KZ heraus verfolgte. konnte wenig Zweifel an dem weiteren Gang der Ereignisse haben. Ihre Serie werde ich jedenfalls mit großem Interesse weiterlesen,
New York HENRY MARX«
Welche Erklärung gibt es dafür, daß Bürgerbräu-Attentäter Georg Elser, der weit mehr Verantwortungsbewußtsein und Weitblick als die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 gezeigt hat, im Gegensatz zu diesen nicht offiziell geehrt wird? Ich möchte noch hinzufügen, daß ich mit Georg Elser nicht verwandt bin.
Stuttgart WILFRIED ELSER
In Ihrer Serie über die SS sehe ich einmal wieder ein Bild von »Gestapo-Müller«. Ich kann mir nicht helfen, ich möchte behaupten, diesen Mann -- 20 Jahre hinzugezählt -- in Spanien auf einem Campingplatz gesehen zu haben. Er machte da Platzdienst, wohnte in einer Höhlenwohnung und behauptete, Arzt aus Columbien zu sein, der in Deutschland studiert habe.
* Redakteur der »New Yorker Staats-Zeitung und Herold«.