SS
(Nr. 42/1966 -- 6/1967, Serie)
Ich gratuliere zu Ihrer SPIEGEL-Serie »Orden unter dem Totenkopf«. Ganz besonders begrüße ich Ihre Darlegungen über die Beteiligung und Schuld der ehemaligen deutschen Wehrmacht an den Juden-Morden. Ihr Hinweis auf das Verhalten der italienischen Militärs stellt eine lange notwendige Ehrenerklärung für diese von den deutschen Superhelden bespöttelten, echten Menschen dar.
Wattenscheid ALEXANDER KÖHLER
Es ist Ihnen hoch anzurechnen, daß Sie sich die Mühe gemacht haben, eine so ausführliche und gut fundierte Berichterstattung über die SS und ihre geschichtlichen Hintergründe zu veröffentlichen. Eine solche Serie ist mehr wert als alle Pauschal-Verdammungsurteile ohne notwendige Erläuterungen.
Köln GÜNTER NAWE
Ich war der Verteidiger der »SS« im Verfahren vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg. Deshalb interessiert mich die Artikel-Serie über die »SS« sehr. Aufgrund meiner im Nürnberger Prozeß erworbenen und durch Studium späterer Veröffentlichungen vertieften Kenntnisse möchte ich Sie zum Ergebnis Ihrer Forschung beglückwünschen. Ich halte auch die Veröffentlichung für sehr nützlich, denn die Aufklärung, die die Verteidigung während des Nürnberger Prozesses zur Frage der wahren Natur dieser vielgestaltigen Organisation -- genannt »SS« -- gebracht hat, um die »Legende von der Allmacht der Schutzstaffel« zu zerstören, ist unter den damaligen Zeitverhältnissen nicht genügend bekanntgeworden.
Seattle (Washington) HORST PELCKMANN
Es ist grauenhaft, was wir getan haben, wozu wir geschwiegen haben, was wir nicht bedacht haben!
Ahlhorn (Nieders.) KÄTHE NEBEL
Ihre Artikel über Nazi-Deutschland sind sehr interessant. Aber sie sind noch viel mehr -- für uns Juden und Ausländer retten sie Deutschlands Seele. Die Deutschen werden für uns wieder Menschen, wenn sie den Mut haben, ihre Schuld wirklich zu bekennen und nichts dabei verbergen. Denn wir im Ausland fürchten die Deutschen, solange sie nicht verstehen, daß Nazitum Gift ist und den Tod der Zivilisation bedeutet.
London DR. BERNHARD BARUCH
Der Bericht über die Judenermordungen war der härteste, den ich bisher über dieses Thema gelesen habe. Jetzt wird wohl auch der letzte Kritiker dieser SPIEGEL-Serie seine Bemerkung zurücknehmen, die SS werde wieder »salonfähig« gemacht.
Hamburg KURT-JÜRGEN MAASS
In Ihrer Zeitschrift sind Bilder von nackten -- auf ihre Hinrichtung wartenden -- Jüdinnen veröffentlicht worden, welche tiefe Abscheu und Empörung bei jedem anständigen Deutschen hervorrufen. Man möchte höchste Bestrafung fordern, um so erstaunter steht man vor den ausgesprochen milden Urteilen gegen die Initiatoren dieser Hinrichtungen und ehemalige KZ-Wächter.
Hamburg KURT KESSLER
Als kurz nach Beginn des Rußlandfeldzuges in Kowno die Juden massenweise erschlagen wurden, lag der Stab der Heeresgruppe Nord, dem ich damals als Fahrer angehörte, ebenfalls in Kowno, und ich schäme mich noch heute, daß niemand von uns den Mut hatte, gegen diese Dinge einzuschreiten oder auch nur zu protestieren. Deshalb sollte Ihr Bericht über die Juden-Vernichtung in Rußland und die makabre Rolle, die hierbei die Wehrmacht zum Teil gespielt hat, allen Angehörigen der Bundeswehr auch als abschreckendes Beispiel für Disziplin am falschen Platz zur Pflichtlektüre gemacht werden.
Bad Dürkheim (Rheinl.-Pfalz) GÜNTHER SCHEUMANN
Als langjähriger SPIEGEL-Leser verfolge ich jetzt Ihre hochinteressante Serie, in welcher Sie sich in Ihren letzten Ausgaben speziell mit den Judenverfolgungen befassen. Für uns Juden ist ja leider in der Serie nicht allzuviel Neues, da es ja Tausende, welche jetzt in Israel leben, am eigenen Leibe zu spüren bekommen haben. Was jedoch Ihre deutschen Leser betrifft, haben Sie sich, meiner Meinung nach, mit Ihren -- leider --
ausgezeichneten Darstellungen ein historisches Verdienst erworben.
Tel Aviv (Israel) GIDON FREUND
Nach den grauenhaften Verbrechen die Deutsche in Rußland und Polen begangen haben, ist es unbegreiflich, wie deutsche Staatsmänner es wagen können, zu sagen, wir hegten keinen Groll gegen das russische und polnische Volk. Sich demütig diesen Völkern zu nähern -- das entspräche christlicher und christlich-demokratischer Haltung.
Genua PROF. DR. WERNER PEISER Botschafter a. D.
In jüngster Zeit werden immer mehr Stimmen laut, die eine Einstellung der Verfolgung von NS-Verbrechern verlangen. Offenbar glauben diese Leute, daß man unsere Vergangenheit auf einfache Weise bewältigen kann, wenn man sie totschweigt. Ich hoffe, daß die Schilderung der Judenverbrechen in den letzten SPIEGEL-Ausgaben dazu beitragen möge, Leute mit dieser Einstellung von der Notwendigkeit der NS-Verfolgungen zu überzeugen. Es is doch nicht einzusehen, warum Menschen, die so schwere Verbrechen unterstützt oder ausgeführt haben, straffrei ausgehen sollen.
Frankfurt WOLFGANG GIESEWETTER
Hört doch endlich auf mit diesen NS"Enthüllungen«, die ja gar nicht der Wahrheitsfindung, sondern nur dem Zweck dienen sollen, weitere Wiedergutmachungsmilliarden herauszupressen.
München REINHOLD ELSTNER
Es hat sich inzwischen schon herumgesprochen, daß Sie nicht den Mut besitzen, Berichte über bestialische Morde und Verstümmelungen in polnischen Konzentrationslagern, welche an volksdeutschen Männern, Frauen, Kindern und Greisen von polnischen Chauvinisten verübt wurden, zu einer Zeit, da noch keine Kriegserklärung an Polen ergangen war, zu bringen. Aus diesem Grunde sind Ihre Sensationsberichte in den Augen von mehr als zehn Millionen Vertriebenen und Flüchtlingen unglaubwürdige Produkte einer Lizenzpresse, die ihren Tribut in dieser schändlichen Weise durch Verdrehung von Tatsachen darbringt.
Essen ALFONS MÜLLER
Als Ihr alter Anhänger und als einstmals im Nazireich Verfolgter empfinde ich Ihre detaillierte Auffrischung der unheilvollen, verbrecherischen Rolle der SS in der Nazizeit als eine »sensationslüsterne Effekthascherei und schwere Schädigung des Ansehens unserer deutschen Bundesrepublik, die sich seit über ao Jahren redlich Mühe gibt, die üble Vergangenheit zu überwinden und insbesondere auch unsere junge Generation von den immer noch starken Ressentiments in der Welt gegen unser deutsches Volk langsam zu befreien.
Würzburg OTTO STEIN
Der Entschluß meines Mannes, Kurt Gerstein, in die Waffen-SS einzutreten, um den Dingen auf die Spur zu kommen, erfuhr die erste Bekräftigung anläßlich der Urnenbeisetzung einer zwangsgetöteten Schwägerin. Was er 1942 in Belcec mit eigenen Augen sah, hielt er trotz tiefster Erschütterung (man vergleiche seinen keineswegs »verschwundenen« Bericht von 1945, - wie man neuerdings wünscht und schreibt!) nur deshalb auch noch mit der Stoppuhr fest, weil er es sofort weitergeben wollte. Er tat das schon auf der Rückfahrt gegenüber dem schwedischen Gesandtschaftssekretär Göran Baron von Otter, außerdem in kürzester Folge bei einem Vertreter der Schweiz und in der päpstlichen Nuntiatur in Berlin sowie bei vielen Vertretern der evangelischen Kirche, vor allem Generalsuperintendent Dr. D. Dibelius.
Aber er täuschte sich sehr über Nächstenliebe und Mut der Neutralen, die damals noch vor Hitler zitterten und nichts wagten; die mutigsten Männer des Volkes aber standen und starben an der äußeren Front ...
* Diplomingenieur, SS-Untersturmführer und Leiter der Abteilung Gesundheitstechnik beim Reichsarzt-SS, der für die Lieferung von Blausäure an die Konzentrationslager verantwortlich war und versucht hatte, die Giftlieferungen zu sabotieren. Gerstein starb 1945 in einem französischen Kriegsgefangenenlager.
Für meinen Mann bedeutete dieses Ausbleiben eines weltweiten Alarms von glaubhafter Seite, das zu seinen größten Enttäuschungen gehört haben muß, daß er mit den in seinen Desinfektionsaufgaben liegenden Möglichkeiten zur Sabotage versuchen mußte, Menschen bis zum Kriegsende durchzubringen. Ich höre noch seine Worte: »Ich muß etwas tun, ich muß etwas tun, ich kann keine Rücksicht auf euch nehmen. Ihr seid drei oder vier, aber da geht es um Tausende! ... Ich lasse jetzt die Rechnungen auf meinen Namen gehen; dann werde ich nicht soviel kontrolliert.« Die Tragweite dieser Maßnahme für später war mir schon damals schlagartig klar, aber mein Mann sah darin so offensichtlich Möglichkeiten zur Sabotage, daß ich es hinnahm. Er hat es versäumt, wie ich immer wieder erkennen muß, sich von höchster SS-Stelle das Ausmaß seiner Sabotage ihrer Anordnungen schriftlich geben zu lassen!
Fehlte es zum Beispiel in einem Lager an Gas (was inzwischen nachgewiesen ist), so konnte das bei dem ständigen Näherrücken der Front und des Kriegsendes für Unzählige das Überleben bedeuten.
Auf eine Äußerung von mir, daß ich mir nichts lieber wünschte, als daß er aus dieser Formation wieder heraus wäre, hatte er schon früher geantwortet: »Ich hätte schon ein paarmal heraus können, ich will nicht heraus, ich muß wissen, was die vorhaben.« Seine schon immer vertretene Auffassung, daß die Scheidung der Geister quer durch alle Lager geht, fand im Krieg nur eine neue Bestätigung; es Ist nach dem Kriege leider manch neuer guter Anfang verschüttet worden, weil man sich dieser Erkenntnis verschloß.
Mössingen (Bad.-Württ.) ELFRIEDE GERSTEIN
Ich war von 1933 bis 1939 Geschäftsführer der Paltreu (Palästina Treuhandstelle) in Berlin, die, wie Sie wahrscheinlich wissen, auf der jüdischen Seite Träger des Transfer-Abkommens zwischen den jüdischen Stellen in Palästina und Reichswirtschaftsministerium sowie Reichsbank war, und ich bin in diesen Jahren mit allen Personen, die in den deutschen Spitzenbehörden für die Fragen der jüdischen Auswanderung nach Palästina zuständig waren, in ständigem Kontakt gewesen. Zu diesem Personenkreis gehörten auch die Leiter des SD, mit denen Sie sich in Ihrer Geschichte der SS befassen.
Die scheinbar palästinafreundliche Haltung des Leiters des Judenreferats im SD-Hauptamt (1935 bis 1936), Herrn von Mildenstein, dessen Rolle übrigens recht undurchsichtig war, und die Haltung von Adolf Eichmann beruhte meines Erachtens darauf, daß die Mitglieder des SD glaubten, sie würden in diesem Punkt mit Hitler selbst übereinstimmen. Hitler, von dem wenige persönliche Äußerungen im Original vorhanden sind, hat sich im Anfang seiner Regierungszeit, wenn auch verschwommen für die Palästina-Auswanderung ausgesprochen, und man hat jahrelang in den Ministerien und bei der Partei geglaubt, er habe die ihm zugeschriebenen Äußerungen. wirklich getan und seine Meinung sei es, die deutschen Juden sollten nach Palästina auswandern. So konnten Mildenstein und später Eichmann glauben, sie führten den Willen ihres Führers aus. Ganz abwegig ist es aber, anzunehmen, daß Mildenstein und noch mehr Eichmann keine Antisemiten waren. Eichmann haßte ohne Zweifel die Juden. Da er primitiv war, gebrauchte er primitive Argumente.
Aber es unterliegt keinem Zweifel, daß er von dem Wunsch besessen war, die Juden zu vernichten. In den frühen Jahren handelte es sich in der Tat dabei noch nicht um Massakrieren, es handelte sich vielmehr zunächst darum, die wirtschaftliche Vernichtung der Juden zu vollenden und sie dann in verelendetem Zustand zur Auswanderung zu bringen.
Hamburg DR. ERNST MARCUS
Aus dem Krieg konnte ich einige Flugblätter retten, die die Russen über der deutschen Front abwarfen. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie gut unsere Feinde schon damals über die Bevorzugung der SS-Schergen informiert waren.
Mannheim MANFRED DOBALEWSKY
Im Licht des jüngsten Artikels in Ihrer aufschlußreichen Serie über die SS verdient die Diskretion, mit welcher die deutsche Lexikographie die Vergangenheit bewältigt, einer besonderen Würdigung. Vielleicht aber auch ist es weniger Diskretion und Überwältigung der Vergangenheit als vielmehr das unschuldige Fortleben der letzteren im Geist gewisser Germanisten, wenn die 15. erweiterte Auflage des »Großen Duden« (Jubiläumsausgabe, 1961), Band eins ("Rechtschreibung"), das »Warenzeichen« Zyklon in diesen schlichten Worten definiert: »Blausäurehaltiges Durchgasungsmittel bei der Schädlingsbekämpfung«.
New York PROF. KURT WEINBERG
Als ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS verfolge ich Ihre Berichte aufmerksam und muß bekennen, daß die Darstellungen, soweit ich sie aus meinem damaligen Gesichtskreis beurteilen kann, äußerst objektiv sind.
Wir Übriggebliebenen haben es nicht nötig, uns irgendwie reinwaschen zu wollen. Wenn wir uns gegen üble Verleumdungen zur Wehr setzen, dann geschieht es um unserer gefallenen Kameraden, um deren Eltern, Frauen und Kinder willen. Ihnen soll die gerechte Genugtuung werden, daß ihre Söhne, ihre Männer und Väter keine Verbrecher waren und mit Verbrechen nichts zu tun hatten.
Zum Schluß darf ich Ihnen noch versichern, daß ich keinerlei Veranlassung habe, mich meiner ehemaligen Truppe zu schämen. Wenn ich schon Soldat sein mußte, dann bei der Waffen-SS!
Waiblingen (Bad.-Württ.) ERICH HAAS