SS - DER SPIEGEL
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Artikel 67 / 75

Briefe

SS
• aus DER SPIEGEL 44/1966
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SS

Nur eine Dokumentation dieser Art kann uns jungen Bürgern die notwendige Aufklärung geben. Schließlich ist es an der Zeit, daß tendenzfreie Information über jene Jahre uns die Möglichkeit gibt, das wahre Gesicht des Staates kennenzulernen, für den auch wir politisch haftbar gemacht werden.

Tübingen GERHARD PILTZ

stud rer. nat.

Mit dieser Ehrenrettung der SS wer den Sie noch viel Unheil anrichten!

Bad Gandersheim (Nieders.) DR. A. MIELK

Der SS-Bericht wird aus der SS einen feinen Herren-Klub machen, wie Sie mit dem Hitler-Bericht aus dem Adolf »den großen Führer« machten! Das Volk sagt: Wenn über eine Sache Gras gewachsen ist, kommt so ein Kamel und frißt es wieder 'runter!

Ludwigsburg (Bad.-Württ.) E. WICKER

Ihre Darstellung der Verhältnisse im Dritten Reich kann in einem Punkt nicht unwidersprochen bleiben. Jeder, der die damalige Zeit denkend miterlebt hat, wird mir bestätigen, daß es tatsächlich »schierer Selbstmord gewesen wäre, die Politik des braunen Regimes zu kritisieren oder sich gar den Untaten des Nazistaates aktiv entgegenzustemmen«. Dazu bedurfte es keiner Allmacht, der SS, da ein genügend dichtes Netz kleiner, willfähriger Aufpasser herunter bis zum Hausobmann vorhanden war.

Berlin ARTHUR JACOB

Als Engländerin, Jüdin und Hinterbliebene von Auschwitz- und Lodz- (Litzmannstadt-) Opfern, kann ich mir schon jetzt die »Moral« der G'schicht lebhaft vorstellen: Befehlsnotstand!

London DEBORAH GOLDBERGER

DANKE FÜR DIE KOMPLIMENTE UND ATTRIBUTE WIE »KUNDIGER PILOT« UND »ANERKANNTE DOKUMENTATIONEN«. WIE SCHMEICHELHAFT FÜR MICH DIE HAUSMITTEILUNNGEN DES SPIEGELS SIND, BIN ICH ABER GEZWUNGEN, EINDEUTIG UND. MIT NACHDRUCK FESTZUSTELLEN, DASS ICH MIT DEN THESEN UND FESTSTELLUNGEN DES SPIEGEL-REDAKTEURS BEZÜGLICH DER SS (SCHUTZSTAFFEL) KEINESFALLS ÜBEREINSTIMME UND NICHTS DAMIT GEMEIN HABE!

Berlin JOSEPH WULF

Die Titelgeschichte stellt in ihrer stilistisch und inhaltlich zum Ausdruck kommenden Tendenz alles in den Schatten, was Sie Ihren Lesern im Rahmen der von Ihnen seit einiger Zeit angenommenen sogenannten positiven Haltung bisher zugemutet haben. Zunächst verhöhnt SPIEGEL-Höhne als einer der von ihm selbst so bezeichneten Aufgeweckten das SS-Opfer Kogon stellvertretend für alle übrigen als einen schrecklichen Vereinfacher, der doch tatsächlich eine seltsame Unsicherheit in Daten, Zahlen und Personalien zeigt, soweit diese nicht seinem unmittelbaren Erlebnisbereich im KZ entstammen (Kogon, bleib bei deinem Buchenwald!). Sodann wird das Dritte Reich allen Ernstes als Karikatur eines totalitären Staates bezeichnet; es bleibt somit dem Leser überlassen, die im Photo abgebildeten, von den Bäumen hängenden, kurios gestreiften Gestalten als Witzblattfiguren zu identifizieren. Geradezu unausstehlich ist auch der schwülstige

Stil Ihrer SS-Ballade. »Apokalyptisch«, »grausig«, »schauerlich« sind verlogene Vokabeln. Zwar kommt Ihr Redakteur nicht umhin, bei Juden von Ermordung zu sprechen; Polen jedoch werden »liquidiert«, Zigeuner »umgebracht«, russische Kriegsgefangene »exekutiert«, unheilbar (?) Kranke »im Verfolg des Euthanasieprogrammes vergast«. Solche Wendungen, die moralisch neutral sind und sprachlich teilweise eine Entschuldigung oder sogar Rechtfertigung enthalten, können in einem Artikel über die SS nicht benutzt werden, ohne daß sie ein beunruhigendes Licht auf den Verfasser und auch auf den SPIEGEL werfen. Denunzianten des SD verwandeln sich in biedere »Informanten« - endlich weiß man auch, warum eine gewisse völlig hilflose Menschengruppe eine leichte Beute für die Konzentrationslager der SS wurde: Es erhob sich eben nun einmal im Reiche Adolf Hitlers keine schützende Hand über sie. Die Geschichte schließlich vom SS-Masseur Kersten, der beim Massieren mit jedem Griff seiner Hände »jüdisches Leben« rettete, ist - angesichts der mitgeteilten Zahlen der KZ-Opfer - wohl der Gipfel der Geschmacklosigkeit.

Mainz WOLFGANG LEIST

Ihre in der Hausmitteilung getroffene Feststellung, daß die Waffen-SS nichts mit Konzentrationslagern zu tun hatte, ist in dieser Form zu undifferenziert und mit hoher Wahrscheinlichkeit objektiv falsch. Der Waffen-SS müssen, wenigstens organisatorisch, auch andere Verbände als nur die der kämpfenden Truppe angehört haben. Wie erklären Sie sich sonst die Tatsache, daß die Entlassungspapiere von KZ-Häftlingen das Dienstsiegel der Waffen-SS trugen? Siehe den beiliegenden Entlassungsschein vom 2. Januar 1945 des damaligen Pfarrers Ernst Wilm, heute Präses der evangelischen Landeskirchen von Westfalen in Bielefeld! Er wurde im Sonntagsblatt »Unsere Kirche« veröffentlicht.

Bielefeld RUDOLF GRUBE

Sie tragen mit dazu bei, in Ihren Spalten die seit langem gängigen Vorstellungen über die Waffen-SS zu konservieren die darauf hinauslaufen, daß die Waffen-SS nichts anderes als eine besondere Kampfgruppe der Wehrmacht war. Daß sie das auch war, mag dahingestellt und zugegeben sein, sie hat aber auch Anteil an den Vorgängen in und um die KZ gehabt.

Siegburg (Nordrh -Westf.)

HARTMUT RUDDIES

An das SPIEGEL-Schwein, das den SS-Artikel verbrochen hat:

Du wirst von unserer Organisation, die bis in die höchsten Kreise reicht, zur Rechenschaft gezogen. Schreiberlinge wie Dich haben wir Dutzende durch den Wolf gejagt.

Es lebe das großdeutsche Reich und seine Elitetruppe, die SS, es lebe unser neuer Führer!!!

Siegen ANONYM

Wulf*

SS-Titel

* Jüdischer Publizist, Historiker ("Das Dritte Reich und seine Vollstrecker") und Anthologien-Herausgeber ("Yiddish-Gedichte aus den Ghettos 1939 - 1945").

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