SS
(Nr. 42/1966 -- 11/1967. Serie)
Mit Respekt und Bewunderung habe ich Ihre Serie »Orden unter dem Totenkopf« gelesen: Respekt, weil Sie dieses heiße Eisen anfassen, Bewunderung wegen der Objektivität des Berichtes, in dem das Schlechte nicht verschwiegen, das Gute aber ins rechte Licht gerückt wird.
Sprötze (Niedersachsen) DR. KURT KNABE
In Ihrer Serie erwähnen Sie in der 19. Folge, und dies aus dem Buch »Es begann an der Weichsel« von Jürgen Thorwald, die Frontfahrt, die ich in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 mit meinem Adjutanten und einem Fahrer in Richtung auf die Oder-Befestigung unternahm. Laut Befehl des SS-Obergruppenführers F. W. Krüger, Kommandeur des in der Aufstellung begriffenen V. SS-Gebirgsjägerkorps, sollte ich in diesem alten Befestigungswerk eine Verteidigungsstellung erkunden und festlegen, die ich später mit einer noch nachzuschiebenden Gebirgsjägerdivision beziehen sollte. Die Pläne des Werkes hatte ich auf einem Landratsamt in Empfang genommen. Wir bogen von der großen Straße Posen-Frankfurt' Oder nach Süden ab und hörten nach etwa einer Stunde Fahrzeit Motorengeräusch. Es hatte stark geschneit. Die Seitenstraßen und Wege waren in der Dunkelheit kaum zu erkennen. Wir hielten an einem Dorfrand, und plötzlich kreuzt, etwa 300 Meter vor uns, im Dorf eine motorisierte Kolonne mit aufgesessener russischer Infanterie unsere Straße. Die beiden vorderen Fahrzeuge eröffnen mit lautem Hurra das Gewehr- und MG-Feuer auf unseren Pkw und durchlöchern förmlich das Dach desselben. Wir suchen Deckung hinter einem Haus. Der dritte russische Lkw hält. Die Russen springen ab und gehen in Stellung. Wir springen ebenfalls aus unserem Wagen und erreichen in kurzen Sprüngen
über ein Feld ein uns Deckung bietendes kleines Waldstück. In der Hast und unter dem starken Beschuß hatten mein einarmiger Adjutant und ich selbst nicht mehr die Möglichkeit, den Handkoffer mit den Plänen auf dem Rücksitz zu fassen. Sie blieben in dem zertrümmerten Pkw liegen. Soweit der Verlust der Pläne. Und nun zu den Schlußfolgerungen, die Sie in Ihrem Artikel sowie der Schriftsteller J. Thorwald in seinem obenerwähnten Buch ziehen. Sie schreiben beide, daß es dem Gegner nunmehr, mit den Plänen in der Hand, ein leichtes gewesen wäre, die Oder-Befestigung zu erobern. Sie schieben dann weiter mir die Schuld an dem Fall der Werke zu. Demgegenüber stelle ich folgendes fest:
1. Sie schreiben selbst in Ihrem Artikel, daß die Truppen Schukows bereits am 29. Januar 1945 vor der Oder-Befestigung angelangt waren. Die Pläne gingen erst am 31. Januar morgens um zwei Uhr verloren.
2. Die uns kreuzende russische Kolonne waren weitere russische Truppenteile, welche die Oder-Befestigung in Richtung auf Reppen-Frankfurt nördlich umgingen. Der mir gegebene SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS.
Befehl kam viel zu spät und war undurchführbar.
3. Der Oderwall selbst war gar nicht bestückt. Sämtliche Geschütze und Abwehrwaffen waren schon seit langer Zeit im Westwall eingebaut. Im Wall befand sich kein einziger deutscher Soldat. Die Kasematten dienten lediglich etwa 300 Zivilarbeitern als Unterkunft. Sie sollten später zum Bau von Schützengräben verwandt werden.
4. Die mir zu unterstellende Gebirgsjägerdivision befand sich in diesen Tagen noch auf dem Abtransport vom Balkan nach Frankfurt/Oder. Der Stab des Korps unter F. W. Krüger war auf Reppen zurückgegangen.
Der Oderwall lag vollkommen offen vor dem Gegner, der ihn ohne einen Schuß kampflos besetzte. Der Aufbau einer Verteidigung in diesem Raum kam wie alles viel zu spät.
Düsseldorf WERNER BALLAUFF
Sie stützen Ihre Darstellung über die Erschießung von 4000 russischen Gefangenen durch die LAH in Taganrog auf das Buch »Der große Rausch« von Kernmayr. Nach Durchsicht dieser romanhaft anmutenden »Quelle« muß ich folgendes feststellen:
Kernmayr berichtet auf den Seiten 47 und 48, wie von seiner Einheit die Leichen von sechs ermordeten deutschen Soldaten aufgefunden wurden. Auf Seite 48 -- nach Sternchen -- behauptet er, am darauffolgenden Mittag sei der Befehl an die Division gekommen, die russischen Gefangenen der letzten drei Tage zu erschießen. Auf Seite 49 folgt dann die Schilderung der Exekution mit der Angabe der Zahl (4000) und der Bemerkung, die Exekution sei von einem »Hauptmann« geführt worden.
Mit keinem Wort ist in dieser Darstellung gesagt, daß es sich bei den ermordeten deutschen Soldaten um Angehörige der LAH gehandelt hat. Aus der Bemerkung, daß der Befehl zur Vergeltung »an die Division« gekommen sei, kann nur geschlossen werden, daß er von einer höheren Kommandostelle als von einem Divisionskommandeur gegeben worden ist. Es fehlt demnach nicht nur jeder Hinweis auf Sepp Dietrich, sondern der Darstellung könnte allenfalls entnommen werden, daß der von ihm geführten Division ein entsprechender Korps-Befehl zugegangen ist ...
Zu dem Vorgang von Taganrog kann ich Ihnen folgendes angeben:
Im März 1942 wurde mir auf dem Gefechtsstand der Division in Nikolajewka (etwa sechs Kilometer nördlich von Taganrog) gemeldet, daß bei der Beseitigung der Trümmer des GPU-Gefängnisses in Taganrog, das von den Sowjets beim Rückzug gesprengt worden war, die Leichen von sechs Soldaten gefunden worden seien. Sie konnten einwandfrei als die Angehörigen eines Spähtrupps der LAH identifiziert werden, die seit Oktober 1941 vermißt wurden. Die nachfolgenden Untersuchungen durch die Sicherheitspolizei ergaben, daß diese Männer schwerstens mißhandelt und gefoltert und anschließend in den Brunnenschacht gestürzt worden waren. Die Wahrheit ist, daß Sepp Dietrich der nach Bekanntwerden des Vorfalls aufkommenden Erbitterung in der Truppe entgegengetreten ist und ausdrücklich alle Repressalien verboten hat. Ich erinnere mich noch genau an seinen Ausspruch: »Das sind wir unserem Namen auf dem Ärmelstreifen schuldig!«
Karlsruhe WILHELM KEILHAUS*
Sie erwähnten meinen verstorbenen Mann, Jens Jessen. Durch zwei Bildunterschriften im SPIEGEL 8/1967 ("Mit der Witwe des Hochverräters das Gehalt geteilt: Jessen-Schüler Ohlendorf") erwecken Sie den Eindruck, als ob ich von Herrn Ohlendorf nach der Hinrichtung meines Mannes Geld erhalten hätte.
Ich habe nach der Hinrichtung meines Mannes kein Geld von Herrn Ohlendorf erhalten. Dagegen dürfte es Herrn Ohlendorf zu danken sein, daß meine Kinder und ich nicht verhaftet wurden und daß unser Vermögen nicht beschlagnahmt wurde.
Berlin KÄTHE JESSEN
Ich fühle mich gezwungen, einen Nachtrag zu der Schilderung meines Mannes, Otto Ohlendorfs, zu geben.
Es mag einfach sein, diesen Menschen als gespaltenen Charakter zu erklären -- die Wahrheit ist es nicht.
Der Bericht zeichnet keinen konkreten Menschen, sondern einen blutleeren »Technokraten«, einen »Funktionsträger in einem Apparat«.
Es ist wahr, daß ihn zur SS und zum SD nur die Hoffnung gebracht hat, hier offiziell ein Organ der Kritik schaffen zu können, das die erkannten Mißstände in der Entwicklung bis in die höchste Parteiführung hinein sichtbar mache. Aber diese Kritik war nur die eine Seite seiner Lebensarbeit. 1938 schied Ohlendorf, um von Himmler wieder unabhängig zu werden, hauptamtlich aus dem SD aus und führte das Amt von dieser Zeit an nur noch ehrenamtlich und unbesoldet. (Das völlige Ausscheiden wurde ihm von Heydrich untersagt.)
Als Geschäftsführer -- später Hauptgeschäftsführer -- der Reichsgruppe Handel des Zentralverbandes der selbständigen Kaufleute Deutschlands, leistete er nunmehr praktische Aufbauarbeit, widersetzte sich dem wirtschaftlichen Kollektivismus, schützte
* SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS.
das private Unternehmertum sowie die kleineren und mittleren wirtschaftlichen Existenzen und trug Sorge für das reibungslose Funktionieren des Handels im Kriege. Diese positive Arbeit setzte er fort, als er im November 1943 als Ministerialdirektor in das Reichswirtschaftsministerium berufen wurde.
Mit vielen eidesstattlichen Erklärungen von Freunden wie von Gegnern läßt sich belegen, daß seine Lauterkeit und Unbestechlichkeit ihm auf jedem Arbeitsgebiet Vertrauen und Anerkennung verschafften. Dabei wurden die Mitarbeiter nur nach Eignung und Leistung eingesetzt und in ihrer freien Urteilsbildung ermutigt; jede Bevorzugung von Parteimitgliedern wurde abgelehnt.
In bezug auf seine Rechtsauffassung möchte ich einen Satz aus einer eidesstattlichen Erklärung aus der SD-Arbeit -- Lebensgebiet »Rechtsleben«
anführen: »Für das von mir bearbeitete Gebiet sah er (Ohlendorf) als die beiden wichtigsten Grundfragen die Unabhängigkeit des Richters und die Rechtssicherheit an. Er bezeichnete sie als Grundpfeiler jeder gesunden Rechtsordnung.« (Weitere amtliche Belege für diese Auffassung sind vorhanden.)
Festzustellen ist: Solange Ohlendorf eigenverantwortlich in seiner vielfältigen Arbeit stand, war er mit Hingabe bemüht, Aufbauendes und Ordnendes zu leisten.
Seine Eigenverantwortlichkeit wurde jedoch durch höhere Gewalt ausgeschaltet in der Zeit von Juni 1941 bis Juni 1942.
Er hatte sich durch seine vielfache offene Kritik -- ebenso auch durch sein Einsetzen für Anthroposophen und andere bedrängte Menschen, die mit Heß ihren Schutz verloren hatten -- so verhaßt gemacht, daß endgültig Bormann im Einvernehmen mit Goebbels und Ley von Heydrich Ohlendorfs Entfernung aus Berlin verlangte. Gegen seinen Willen wurde Ohlendorf zur Einsatzgruppe kommandiert (strafversetzt); die U.k.-Stellung für die Reichsgruppe Handel dadurch aufgehoben, daß dem Wehrbezirkskommando mitgeteilt wurde, Ohlendorf befände sich im geheimen Auftrag des RFSS im Ausland.
Dieses Jahr war die einzige Zeit seines Lebens, in der ihn überpersönliche Gewalt in Konflikte stieß, in denen der Mensch so oder so schuldig werden mußte.
Jeder, dem es erspart geblieben ist, in eine solche Lage hineinversetzt zu werden, sollte seinem Schicksal dankbar sein.
Hoheneggelsen (Niedere.) KÄTHE OHLENDORF
Ihr Apparat, der vor Erscheinen einer jeden SPIEGEL-Nummer jeden Nebensatz und jede Zahl überprüft und dabei unrichtiges und nicht belegtes Material ausscheidet, hat mich beeindruckt.
Dieser Apparat wird jedoch ganz offensichtlich, sobald es um die zum Tabu erhobene Zahl von sechs Millionen ermordeter oder vergaster Juden geht, außer Betrieb gesetzt.
Ihnen ist bekannt, daß die Angaben des christlichen Eiferers und SS-Vergasers Gerstein, der mit Maßstock und Stoppuhr bezeugt (also es ganz genau gemacht hat), daß in einem Raum von 25 Quadratmetern, in 45 Kubikmetern jeweils 700 bis 800 Juden gleichzeitig zur Vergasung zusammengezwängt wurden, unsinnig sind. Dennoch bringen Sie diesen Unsinn, bei dem es offenbar auf eine Null zuviel überhaupt nicht ankommt. Ungerührt und völlig vergeblich hat man auch nach Schluß Ihrer Serie auf Ihre Berichtigung oder Erklärung gewartet. Legt man diese an die Zahl der jeweils Vergasten angehängte Null der Tabu-Zahl von sechs Millionen zugrunde, so kommt man auf die Zahl von 600 000, die von ernsthaften jüdischen Forschern noch als zu hoch angenommen wird.
Aber machen Sie weiter so, auf jeden, der die Zahl von sechs Millionen -- der Grundlage aller Zahlungen an Israel und an die Juden, und um dieses Geld geht es -- nachzurechnen und dann zu bezweifeln wagt, mit Ihrem Knüppel der sogenannten Meinungsmache einzuschlagen: Das Ergebnis dieser Presse-Bemühungen wird bedauerlicherweise fatal sein -- für die Juden.
Sie laden Schuld auf sich.
Tanger (Marokko) HENNECKE KARDEL