Steh auf, Jugend - DER SPIEGEL
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GRIECHENLAND / DIKTATUR Steh auf, Jugend

• aus DER SPIEGEL 40/1969
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Uniformierte Pimpfe paradieren auf den Straßen von Athen -- junge Griechen, vom Obristen-Regime in blaues Tuch gesteckt, vom früheren Geheimdienstchef Joannis Ladas angefeuert: »Steh auf, Jugend!«

Sie gehören zum »Soma Alkimon« ("Korps der Starken"), einer schon über 30 Jahre alten faschistischen Organisation, die jetzt von der Athener Junta neu belebt wird, um auch die Jugend in den Marschtritt der rechten Revolution zu zwingen.

Die »Starken« hatten schon der Blauhemden-Jugend EON des Griechen-Generals Joannis Metaxas gedient, der am 4. August 1936 Parlament und Parteien auflöste und in Hellas ein faschistisches Regime begründete.

Das »Korps der Starken« überlebte die EON auch nach dem Ende der Metaxas-Diktatur. Von 1945 bis 1949. während des Bürgerkriegs mit den Kommunisten, blühte das rechte Jugend-Korps zur paramilitärischen Organisation auf. Doch als mit dem Ende der Kämpfe der Bedarf an Starken schwand, verkümmerte auch ihre Organisation.

Seit 1960 waren sie aus der Öffentlichkeit verschwunden -- bis Griechenlands Regime der Offiziere, allen. voran Ex-Geheimdienstchef Ladas, jetzt beschloß, die Landesjugend erneut auf Vordermann zu bringen.

Ladas, der »ungewaschene, langmähnige Hippies« kahlscheren ließ, »um ihnen ihre Denkweise abzugewöhnen«, träumt von einem neuen Sparta: »Unsere Vorfahren bildeten die Jungen mit 16 Jahren aus. Nach zwei Jahren wurden ihnen Speer und Schild in die Hand gegeben.«

Tadelnd beschwor er die »Fäulnis der ausländischen Jugend, die im Schlamm der Narkotika, des Pansexualismus, der Dekadenz versunken, in den Straßen der Großstädte herrenlos herumirrt«. Die rechten Ideale dagegen soll das »Korps der Starken« der Griechen-Jugend beibringen: »Vaterland, Familie, Religion, Vernunft und Keuschheit«.

Als Tugendwächter kommandierte der Sport-Generalsekretär der Regierung, Oberst a. D. Konstantinos Aslanidis, zwei ehemalige Kameraden -- einen Generalleutnant und einen Oberst -- an die Spitze des »Soma Alkimon«. Im 4. Stock eines Hochhauses in Athens Akadimias-Straße 60 arbeitet ihr neues »Alkimon«-Hauptquartier.

Auch in die Leitung des griechischen Pfadfinderverbandes beorderte Aslanidis einen Offizier als Regierungskommissar. Der »Starken«-Führer Oberst Bageorgos verriet bereits, daß die Gleichschaltung noch weitergehen soll: Er wolle »die Pfadfinder durch die Alkimon-Jugend ablösen«.

Die Kader des »Korps der Starken« stellt eine politische Organisation, die als einzige nach der Machtübernahme der Militärs nicht aufgelöst wurde: die neofaschistische »Bewegung des 4. August«. Ihr Chefideologe Konstantinos Plevris, einst Privatsekretär des damaligen Geheimdienstbosses Ladas, reist durch die Provinz und gründete bereits über 40 Alkimon-Klubs. »Der 4. August lebt als Idee«, jubelte das Neofaschisten-Blatt »4 Avgoustou«.

In den Volksschulen drängen die Lehrer mittlerweile Griechenlands Jungen und Mädchen ab acht Jahren, in das Korps einzutreten. Die blauen Uniformen stellt ihnen die Organisation »natürlich gratis« (so ein Korps-Funktionär).

In drei Jugendlagern -- zwei bei Athen, eins in Saloniki -- treibt die Alkimon-Jugend Sport, der freilich eher vormilitärischer Ausbildung gleicht. Mit Holzgewehren üben dort schon Neunjährige, ältere angeblich auch mit leichten Waffen. Mit militärischem Salut begrüßen die Pimpfe ihren Führer.

Die Leibeserziehung der »Starken« finanziert Sportsekretär Aslanidis aus dem staatlichen Fußballtoto »Pro-Po«. Zusätzliche Mittel will er sich von Griechenlands Autofahrern beschaffen: Sie sollen künftig bei jeder Erstzulassung eines Personenwagens eine Sonderabgabe von 500 Drachmen (etwa 70 Mark) zahlen -- als »Beitrag zugunsten der außerschulischen Sporterziehung«.

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