STEINBERG
(Nr. 4/53, Karikaturen)
Steinberg hat im Rahmen seiner »Attentate auf die Blödeleien, Wichtigtuereien und geheimen Wünsche seiner Mitmenschen« auch einen spitzen Pfeil auf die ordensgeschmückten Brüste der »Großen« seiner Zeit gerichtet. »The New Yorker« veröffentlichte während des Krieges ein Steinberg-Porträt von Hermann Göring, das eine charmante Persiflage auf die Ordens-Sehnsucht der »Autoritären« ist. Aber da es bereits wieder Orden und Verdienstkreuze in der Bundesrepublik gibt, die, wie man hört, in einer entsprechenden Kopfquote den verschiedenen Bundesländern zugeteilt werden, und da - nach Meinung der Engländer - der Neonazismus sein lamettaglänzendes Haupt erhebt, ist der Steinberg-Witz womöglich hierzulande schon wieder unangebracht und unerwünscht. Selbst Journalisten werden jetzt vom Staat prämiiert. Es gibt aber eine Methode zur Steuerung der Ordens-Epidemie: Jeder erhält das Recht, sich jeden Orden auch außerhalb der Faschingszeit anzuheften!
Frankfurt (Main)
Ursula Hertzfeld