STEUERN
(Leserbrief 28/51)
Hat die höhere Besteuerung der Unverheirateten überhaupt eine moralische Stütze, z.B. soll eine unverheiratete Frau dafür, daß sie »sitzen« geblieben ist, daß sie mangels genügender körperlicher Reize oder Mitgift nicht begehrt wurde, auch noch bestraft werden? Hat es schon jemals eine Frau gegeben, welche nicht rasend gerne geheiratet hätte, wenn sie Gelegenheit hierzu gehabt hätte? Soll sie mit höheren Steuern geradezu das Eheglück ihrer Geschlechtsgenossinnen, welche mehr Glück bei der Jagd nach dem Manne gehabt haben, auch noch finanzieren? Bei unverheirateten Männern liegen sehr oft, wahrscheinlich meistens recht beachtliche Gründe vor, weshalb sie nicht heiraten. Aber jedem steht es doch vollkommen frei, zu heiraten oder es zu lassen, sich aussterben zu lassen oder zahlreich fortzupflanzen. Aber für letztere überhaupt andere blechen zu lassen, finde ich reichlich naiv, wenn nicht anmaßend. Ich nehme an, daß Frau von Arnim freiwillig geheiratet hat, was man selbst freiwillig tut, dafür kann vernünftigerweise kein anderer Mensch schadenersatzpflichtig gemacht werden. Es gehört doch schon Verantwortungslosigkeit dazu, zu heiraten, wenn man die Kinder, welche man ebenfalls freiwillig erzeugt, nicht ernähren kann In Notfällen und besonders Unglücksfällen soll selbstverständlich der Vater Staat einspringen.
Niederlahnstein-Rhein
Heinz Burkard